FactSheet: Banken

Hier ist es wie mit dem Zahnarzt. Man mag ihn nicht, braucht ihn aber trotzdem. Die Banksituation in Neuseeland – was Kosten für Kontenführung usw. betrifft – hat sich in den letzten Jahren entspannt, weil inzwischen neue Anbieter auf den Markt drängen und den etablierten Banken Konkurrenz machen. Neuzugänge sind zum Beispiel die niederländische Rabobank, die GE-Bank aus den USA, oder auch von den Etablierten gegründete Direktbanken, z.B. die BankDirekt. Das Finanzblog www.interest.co.nz listet alle neuseeländischen Banken auf, nebst aktuellen Zinssätzen, und Bonitätseinschätzungen (das ganze AA- usw. Geschäft, das man krisenbedingt inzwischen wohl oder übel kennt).

Eine verbankte Gesellschaft

Die ‘Etablierten’, das sind im wesentlichen die Bank of New Zealand (BNZ), ANZ / National Bank (die National Bank wurde inzwischen in die ANZ absorbiert), ASB, TSB, Westpac und die KiwiBank (die Postbank Neuseelands) und prägen mit ihren Firmenfarben und Logos flächendeckend das Bild der urbanen Zentren und Unterzentren. BNZ, zum Beispiel, betreibt etwa 200 Zweigstellen in Neuseeland, während die Deutsche Bank – zum Vergleich – etwa 2000 Niederlassungen in Deutschland unterhält. Im Verhältnis zur Bevölkerung ist die Zweigstellendichte der BNZ also doppelt so hoch wie die der Deutschen Bank.

The Big Four

 

Die wichtigsten Banken des Landes, BNZ, ANZ, ASB and Westpac befinden sich im Besitz australischer Mutterbanken. TSB, Kiwibank und einige andere kleinere Institute sind ‘echt’ neuseeländisch, decken aber nur einen sehr geringen Teil des neuseeländischen Kapitalmarkts ab. Mikroökonomisch ist das nicht wichtig, denn ob man nun ein Konto bei einer australischen Bank oder einer echt einheimischen hat, ist praktisch egal. Makroökonomisch hängt aber Neuseeland finanziell am Tropf von Australien. Wenn zum Beispiel (wie bei so manchem anderen Land inzwischen erlebt), die internationalen Geldmärkte den australischen Banken den Kredithahn abdrehen, dann hat das sofort Konsequenzen für Neuseeland, auch wenn Neuseeland per se nichts mit den eventuellen Problemen australischer Banken (siehe Hauspreisblase) zu tun hat.

Migrant Banking: Ein neuseeländisches Konto von Deutschland aus eröffnen

Inzwischen betreiben alle namhaften Banken in Neuseeland sogenanntes „migrant banking“, bieten also Einwanderern wie auch Besuchern Hilfestellung beim Eröffnen eines Kontos auch schon vor der Ankunft in Neuseeland. Beispiele: bei der Bank of New Zealand kann man online von Deutschland aus ein Konto beantragen www.bnz.co.nz > International > Move to New Zealand > Open an account online, oder auch bei der neuseeländischen Postbank www.kiwibank.co.nz > Personal > International & Travel > Moving to New Zealand? > Open a Kiwibank account from overseas, wobei hier allerdings eine Kopie des Passes, des ausgefüllten Antragsformulars, und eine Strom- oder Wasserrechnung (als Beweis, dass man auch dort lebt wo man es behauptet) per Post geschickt werden müssen. Die Idee ist jedenfalls, ein neuseeländisches Konto zur Verfügung zu haben, auf das man schon vor der Abfahrt aus Deutschland Geld überweisen kann und das dann einfachst zugreifbar ist, sobald man in Neusseeland ankommt. Die Konten, die einem in so einem Fall angeboten werden, haben natürlich ein Überziehungslimit von Null („Savings Account“, nicht „Cheque Account“).

Vorsicht vor hohen Beratergebühren

Der ganze Prozess bietet sich in erster Linie für Leute an, die länger als ein paar Wochen in Neuseeland bleiben wollen, und es bequem finden mit lokalem Plastik zu bezahlen, und nicht bar. Für Kurzaufenthalte lohnt sich der Aufwand natürlich nicht. Auf alle Fälle aber sollte man vermeiden, irgendeinem Agenten oder Berater Geld dafür zu geben ein Konto in Neuseeland anzulegen. Für jeden der auch nur halbwegs Englisch spricht ist es, wie oben beschrieben, einfach genug es selbst zu tun. Und man sollte sich dessen bewusst sein, dass man durch eine große Überweisung von Deutschland nach Neuseeland kaum Geld spart (manchmal sogar im Gegenteil!). Wenn man Geld mit der normalen deutschen Bankkarte vom Geldautomaten abhebt, bekommt man einen Umtauschkurs, der fast der Interbankrate (siehe unten) entspricht, und es fallen keine hohen Gebühren an.

In Deutschland ertauschtes Bargeld ist unnötig

Es ist fast überflüssig, es zu erwähnen, aber man sollte vor einer Reise nach Neuseeland kein neuseeländisches Bargeld in Deutschland eintauschen. Neuseeland strotzt vor ATMs (Automatic Teller Machines), also Geldautomaten. Deren Dichte dürfte sogar über der in Deutschland liegen. Auch die Flughäfen bieten genügend Gelegenheit, entspannt Geld am Automaten zu ziehen. Dies kann man entweder mit einer simplen EC-Karte (mit Maestro/Cirrus-Symbol – haben heutzutage praktisch alle) tun, wobei dann eine Festgebühr pro Abhebung erhoben wird, oder mit einer Kredit- oder Debitkarte (z.B. Visa, Master/Eurocard etc.), wo im allgemeinen keine Festgebühr anfällt, sondern eine Gebühr prozentual verrechnet wird. Erste Option bietet sich beim Abheben größerer Beträge an, letztere bei kleinen Summen. Details aber unbedingt vor der Abreise bei der Hausbank erfragen, damit es hinterher keine Überraschungen gibt. Eventuell ist es auch ratsam das Limit anheben zu lassen, bis zu dem am Geldautomaten in einer 24-Stunden-Periode abgehoben werden darf. Neuere ATMs in Neuseeland können sogar Deutsch. Ähnlich wie bei einigen deutschen Geldautomaten muss man nur die deutsche Flagge antippen, um durch den Rest der Transaktion auf Deutsch geführt zu werden. Übrigens werden die üblichen (deutschen) Kredit- oder Debitkarten fast überall angenommen, auch bei noch so kleinen Beträgen (im Gegensatz zu Deutschland, wo ich neulich nicht mal eine Kinokarte per Plastik bezahlen konnte). Der Themenkreis Zahlen mit dem „EFTPOS“ Bezahlsystem in Neuseeland (und Australien) ist in einem anderen Blog beschrieben. EFTPOS ist nur relevant, falls ihr Euch eine Debitkarte durch eine neuseeländische Bank ausstellen lässt (siehe oben).

Größere Überweisungen per Bank sind sehr teuer

Für Einwanderer nach Neuseeland stellt sich eventuell die Frage, wie größere Summen Geldes von Deutschland nach Neuseeland überwiesen werden können, ohne dass dabei hohe Verwaltungsgebühren oder schlechte Wechselkurse ins Kontor schlagen. Natürlich denkt man hier zuerst an eine direkte Auslandüberweisung von der deutschen Hausbank an die neuseeländische Bank, bei der man gerade – siehe oben – ein Konto eröffnet hat. Das ist natürlich möglich – aber sehr teuer. Wenn man eine ‘normale’ Auslandsüberweisung nutzt, fallen sowohl bei der sendenden als auch bei der empfangenden Bank fixe Gebühren an (deren Höhe nicht nachvollziehbar ist) und es werden auch nicht die ‘interbank’ rates zur Festsetzung des Umtauschkurses herangezogen, sondern zu ungunsten des Kunden abgeänderte. Die Interbank-Kurse kann man übrigens immer aktuell auf Seiten wie www.onvista.de abrufen (oder auch bei uns, nz2go.de, immer rechts oben), aber wie gesagt, das sind im Ernstfall eben nicht die Kurse, die die Banken wählen, um überwiesenes Geld der Kunden von EUR nach NZD umzurechnen. Alles in allem erleichtern Euch die Banken bei einer Auslandsüberweisung schnell Mal um bis zu 5% der Gesamtsumme.

Foreign Exchange Dealer als günstige Alternative zu Auslandsüberweisungen

Alternativ zu Banken haben sich in den letzten Jahren Foreign Exchange Dealer etabliert, also Firmen, deren Kerngeschäft die Überweisung von Geldern ins Ausland ist. www.sendmoneyhome.org gibt einen Überblick. Ich selbst nehme die Dienste dieser Firmen, inbesondere von NZForex, siehe unten, inzwischen seit mehreren Jahren in Anspruch ohne dass es je ein Problem damit gegeben hätte. Die Margen – und damit die Wechselkurs- und Gebührenverluste für den Endkunden – liegen deutlich unter denen der oben angeführten Geschäftsbanken, Geld das ich gerne für mich selbst ausgebe anstatt es den Banken zu schenken. Außerdem überweisen Firmen wie NZForex das Geld einfach schneller und man kann – wie bei einer Paketverfolgung – online sehen wo das Geld gerade liegt.

Überweisen Sie Geld ins Ausland, zu Kursen die Ihre Bank Ihnen nicht bieten wird

Weitere Details zu kostengünstigen Überweisungen nach Neuseeland mit NZForex findet ihr hier und hier.

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Auch interessant ist meine Bankenserie:

Eine Antwort auf FactSheet: Banken

  1. Jens Lüders sagt:

    Hallo Peter,

    Zu diesem Thema eine Anmerkung:

    Es gibt bekanntlich eine Reihe von deutschen Direktbanken, die Barabhebungen am Automaten per Visa Karte ohne Gebühren anbieten. Ich selbst bin Kunde bei der Diba und der DKB. Beide legen den Wechselkurs von Visa International zugrunde
    http://corporate.visa.com/pd/consumer_services/consumer_ex_results.jsp
    Diese Wechselkurse sind relativ nah dran an den Interbankenraten von Onvista (Delta rund 1%). Die Diba nimmt on Top noch 1,75% Auslandseinsatzgebühr. Die DKB hingegen gar nichts extra.

    Man kann sich Cash am Automaten in NZ holen (Max Betrag je nach Kartenlimit) und das Bar auf sein Konto in NZ einzahlen. Das hört sich seltsam an, habe ich aber schon vor zehn Jahren während meines Studiums praktiziert! Ich kam mir aber schon immer etwas seltsam vor, wenn ich mit einem Riesenpacken 20 Dollarscheine an den Schalter gegangen bin. Hat aber ohne Probleme funktioniert.

    Die Überweisung des mtl. Lebensunterhaltes kann man auf diese Weise organisieren. bei hohen Summen stößt man natürlich bald an Grenzen.

    Grüße
    Jens

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