FactSheet: Schule in Neuseeland – New Zealand School Balls

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Zur Abwechslung wieder einer der beliebten Griffe ins neuseeländische Alltagsleben. Von Interesse besonders für die vielen deutschen Eltern, die die Kleinen gerne für ein Auslandsjahr in eine neuseeländische Schule stecken. Oder auch allgemein für Liebhaber von Kiwifolklore.

„School Balls“ sind  mit den eher nüchternen deutschen ‚Abibällen‘ eigentlich nicht vergleichbar, sondern von den amerikanischen „Prom“ Bällen abgeleitet, die über Hollywoodfilme festen Eingang in die australische und neuseeländische Populärkultur gefunden haben.

Worum geht es ?

Um „rites of passage“, einen Initiationsritus in die Welt der Erwachsenen für die Schüler des letzten neuseeländischen High School Schuljahrgangs, „Year 13″ und in einigen Fällen auch schon für die Unterprimaner im „Year 12″, in Form einer schul-offiziellen Tanz- und Dinner-Veranstaltung in gehobenem Ambiente und vor allem gehobener Kleiderordnung.

Man erscheint in Ballkleid und Smoking (oft geliehen) und für gewöhnlich in Paaren von „ball dates“, wobei nur ein Teil des Paars der veranstaltenden Schule angehören muss. Der andere kann auch Schüler einer anderen Schule sein. Wenn es sich um reine Mädchen- oder Jungenschulen handelt, die in Neuseeland noch immer verbreitet sind, dann werden die Bälle meistens gemeinsam von verschwisterten Schulen organisiert, also zum Beispiel Carmel College (Girls) zusammen mit Rosmini College (Boys). „Ball dates“ sind oft Zweckgemeinschaften auf Zeit und haben mit dem sonstigen boyfriend – girlfriend Geschehen nicht unbedingt etwas zu tun.

Viele School Balls finden im Mai oder Juni eines Jahres statt, es gibt aber auch Schulen in denen die Bälle erst im November stattfinden. Da nicht immer auf schuleigenem Gelände gefeiert wird und außerdem Bewirtung stattfindet und „Security“ gestellt, kosten Tickets im allgemeinen zwischen 60 und 100 Neuseelanddollar.

Traditionell unterteilt sich das Geschehen wie folgt.

„Pre Ball“

Privat von Gruppen von bis zu 40 Schülern organisierte Treffen einige Stunden vor dem Ball, bei dem Snacks und nicht-alkoholische Getränke gereicht und vor allem viele Fotos geschossen werden. Abtransport zum eigentlichen Ball erfolgt entweder über eine Flotte von Mietlimousinen oder Partybusse.

Ein "Pre Ball" an Aucklands North Shore

Ein „Pre Ball“ an Aucklands North Shore

Organisiert werden pre-balls von besonders beliebten Mitschülern, stellen also so etwas wie eine Auszeichnung dar. Das eigenständige Betreiben der Angelegenheit, also Raum buchen, Ess & Trink bestellen, Bus anheuern ist für den ausrichtenden Schüler ein nicht unerheblicher Teil der ‚Das-Erste-Mal‘ Erfahrung.

„School Ball“

Nur Schüler, Lehrer und Security und DJ/Band sind anwesend. Strikt keine Eltern! Das Programm des Abends variiert stark, beinhaltet aber immer Musik, Tanz und ein gemeinsames Essen oder Buffet, seltener auch Reden, oft jedoch die Wahl zu irgendetwas, zum Beispiel Spielarten von Ballkönigin und -könig, etwa „Best Dressed“, also den am strahlendsten gekleideten jungen Frauen und Männer.

Fotografieren ist im Zeitalter von Facebook und Smartphone natürlich auch hier eine zentrale Beschäftigung.

Wer säuft, der fliegt, übrigens. Zumindest theoretisch werden alle Schüler die besoffen oder auf Drogen erscheinen vor die Tür gesetzt. Dass das in der Praxis leider immer wieder anders ausfällt, zeigt der ausgiebig publizierte Fall eines zu Tode gekommenen Schülers des Kings College.

Das echte Alkohol- und Drogenproblem gibt es allerdings nicht bei den Bällen, sondern während des letzten Akts der Vorstellung, den gefürchteten „After Balls“ im Anschluß an die School Balls.

„After Balls“

Sind der wahre Schrecken vieler Eltern, wobei es schizophrenerweise oft auch Eltern sind, die die inoffiziellen Beisammensein in denen Alkohol und Drogen kein Halten mehr finden organisieren helfen. Wahrscheinlich in der Annahme, dass ein halbbeaufsichtigtes Besäufnis besser ist, als ein völlig unkontrolliertes.

Saufen bei After Balls und die Unfälle und teils tödlichen Alkoholvergiftungen, die sich daraus ergeben haben sind inzwischen so berüchtigt, dass einige Schulen nicht nur allen Teilnehmern mit Rauswurf drohen, sollten sie sich an After Balls beteiligen, sondern die School Balls insgesamt eingestellt haben. So die größte Schule Neuseelands, Rangitoto College, die bei deutschen Schülern sehr beliebt ist.

Noch ein Schlußwort zu Sex … ein heißes Eisen und in dieser Altersgruppe gerne unter den Teppich ignoriert. Semi-sexuelles Verhalten, oft in der Öffentlichkeit der Freunde, findet unter neuseeländischen Jugendlichen im allgemeinen offener statt als bei deutschen. Bei der starken Sexualisierung der neuseeländischen Gesellschaft und vor allem der fast völligen Akzeptanz weiblicher Initiative auch kein Wunder. Wobei letzteres auch Mal karikiert wird :-)

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So wirr und trivial das Ganze aus der Distanz des Alters aussehen mag, so lieb sind den neuseeländischen Teenies ihre Bälle. Sollen sie ihren Spaß haben. Ob man sowas unbedingt auch in Deutschland braucht … vielleicht nicht.

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