Guests@NZ2Go: Mit Gunther Riehle auf Roads Less Traveled in Sub-Antarctica

Lesedauer: 5 Minuten

Gunther Riehle ist in Deutschland seit vielen Jahren einschlägig als Tier- und Landschaftsfotograf bekannt und betreibt zum Beispiel den angesehenen Fotowettbewerb ‚German Mega Circuit‚.

Weniger bekannt ist, dass seine Jagd nach immer neuen Motiven ihn auch zu einer Art Experten der sub-antarktischen Welt gemacht hat. Gunther hat wirklich entlegene Orte wie die australische Heard Island mitten im südatlantischen Nichts besucht, aber auch die geläufigere Macquarie Insel, die Antarktis selbst und natürlich – ich komme zum Punkt – die neuseeländischen sub-antarktischen Inselgruppen, insbesondere die Snares, Auckland, Campbell Inseln.

Da die neuseeländischen Subantarctics im Moment ein Fokusthema dieses Blogs sind, ist NZ2Go bei Gunther vorstellig geworden, der auch sofort zusagte seine Erfahrungen mit unseren Lesern zu teilen und uns als Zugabe eine schöne Auswahl beeindruckender Fotos zur Verfügung gestellt hat, siehe unten. Dafür schon vorab herzlichen Dank!

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NZ2Go: Gunther, als Lebensmittelingenieur für eine große internationale Firma in der Du in Deinem Fachgebiet für halb Europa zuständig bist, reist Du sowieso schon überdurchschnittlich viel. Woher der Drang im Privaten die entlegensten Ecken des Planeten zu besuchen?

Es geht mir zum einen darum in der Natur Ausgleich zu finden. Dazu gehört Werkeln in meinem verwilderten Garten in Kirchheim/Teck, aber auch Zeit in den letzten unberührten Winkel der Welt zum Beispiel in der Subantarktis zu verbringen.

Zweitens bin ich ein Mensch der gerne konkurriert und gewinnt. In der Fotografie kann man heute nicht mehr nur durch gutes Handwerk und Komposition glänzen. Die Motive müssen stimmen. Ich hatte nach einigen Fehlstarts in Profi-Wettbewerben beobachtet, dass es die Profis in den extremen Süden zieht. Nach langem Überlegen beschloß ich vor einigen Jahren den Sprung in das antarktische Abenteuer zu wagen. Und ich habe es weder bereut, noch hat mich das Antarktisfieber seit dem verlassen.

Last but not least liebe ich freundliche Tiere. Pinguine, junge Robben und Albatrosse sind so zutraulich, dass man sich nur hinsetzen muss damit sie sich neugierig nähern. Das ist unvergesslich schön.

Riehle mit Robbenbaby (c) Gunther Riehle

Riehle mit Robbenbaby (c) Gunther Riehle

NZ2Go: Wie bist Du auf NZ Subantarctics gekommen? Und gibt es irgendeine Rangliste, also Lieblingsinseln?

Das erste Mal bin ich 2009 von Ushuaia in Argentinien aus in die Antarktis gereist. Da ist man wochenlang fast ununterbrochen mit einer Gruppe Menschen zusammen, die oft genauso verrückt sind wie man selbst. Eine tolle Erfahrung. Und es ist die beste Reiseinformationsbörse der Welt, auf der auch immer wieder Neuseeland auftauchte. Die Chatham Islands zum Beispiel, die ich inzwischen auf eigene Faust besucht habe, aber auch die neuseeländischen Subantarctics.

In meinem Fall verliebte ich mich während der ersten Antarktisfahrt in the Albatrosse. Ein Mitreisender empfahl daraufhin die Midway Inseln im Nordpazifik, wo ich 2 Millionen Exemplare erleben durfte. Diese Vögel sind so elegant, wunderschön, vertrauensvoll und freundlich. Auf Midway wiederum riet mir ein Reisekumpel die neuseeländischen Campbell Islands zu besuchen. Ein Jahr später war ich dann dort. Und so gibt eins das andere …

Küssende Tölpel Napier Neuseeland (c) Gunther Riehle

Küssende Tölpel Napier Neuseeland (c) Gunther Riehle

Favoriten unter den Subantarctics habe ich keine, aber Fakt ist, dass man auf den Snares, Antipodes und Bounties nicht landen darf. Ein paar Fotos vom wacklingen Schlauchboot aus sind das höchste der Gefühle. Deshalb sind Reisen zu den Aucklands und Campbells für mich wesentlich interessanter.

The Snares (c) Gunther Riehle

The Snares (c) Gunther Riehle

NZ2Go: Erzähl doch ein bischen von der Fahrt. Wie lief das ab, was sollte man beachten?

Vorher und nachher einen Zeitpuffer lassen, zur Sicherheit. Man will so eine Schiffsreise nicht verpassen, weil man die Anreise zu knapp kalkuliert hat. Wegen des Wetters ist es auch nie ganz klar, wann man zurück kommt. Die meisten Antartktisfahrer planen also für vor und nach der Cruise drei oder vier zusätzliche Tage ein.

Kleidung funktioniert nach dem Zwiebelprinzip. Fünf Lagen. Die äußerste Schicht muss aber voll wasserundurchlässig sein, denn es regnet und schneit dauernd und dazu noch der Wind. Die Temperaturen schwanken meistens zwischen 0 und 4 Grad, im südlichen Sommer. Man muss wirklich wahnsinnig sein sich das anzutun.

Seekrankheit erwischt fast jeden. Da helfen Pillen und die Landgänge zwischendrin. Das muss man akzeptieren.

Es gibt eine ganze Reihe großer Reiseveranstalter in die Antarktis und die umgebenden Inseln. Mein Favorit ist aber der neuseeländische Operator „Heritage Expeditions“, die die neuseeländischen Subantarctics nicht nur als Begleitprogramm anlaufen, sondern echte Leidenschaft für diese kleinen Paradiese zeigen. Klein und familiär geht es zu bei den Jungs von Heritage. Als Expeditionsleiter fungiert das Vater-Sohn-Gespann Rodney und Nathan Russ, deren Liebe zu den Inseln ansteckend ist.

Und das soziale Programm, also die drei gemeinsamen Mahlzeiten, das Herumhängen in der Bar und die Vorträge sind angenehm formlos. Ich selbst habe auch mal dozieren dürfen und dadurch zum Beispiel den Neulingen ein bischen die Nervosität genommen. Ein anderer Gast war Mitglied des Nobelkommittees gewesen und hat uns erzählt wie man Nobelpreisträger wird. Wie gesagt, man trifft wirklich interessante Menschen.

Zügelpinguine Antarktika (c) Gunther Riehle

Zügelpinguine Antarktika (c) Gunther Riehle

NZ2Go: Wie lief es mit der Fotografie? Ist hier irgendwas Spezielles zu beachten?

Die tollsten Bilder gibt es morgens und abends und beim grauenhaftesten Wetter. Wenn die Sonne strahlt, kann man die Kamera im Karton lassen.

Im Verhältnis zu den Tieren sollte man sich ruhig und langsam verhalten und sich klein machen, damit man nicht als Bedrohung wahrgenommen wird. Die kommen dann von selbst. Den vorgeschriebenen Mindestabstand von 5 Metern halten die Tiere eben nicht immer ein :-) Am besten ist es, wenn man vorher schon ein bischen das Verhalten der Tiere studiert hat, damit man die richtige Situation und den richtigen Augenblick für den Knips erkennt, weil man antizipiert was als Nächstes kommt.

Außerdem sollte man an Fototagen möglichst wenig schlafen. Dafür ist an Bord Zeit, wenn sowieso nichts passiert als vorbeirauschendes Wasser. Und immer in Fotoalarmbereitschaft sein!

Wenn man das beachtet sind spektakuläre Bilder fast garantiert.

Jedenfalls hat mein Macquarie Island Foto eines See-Elefanten inmitten eines Meers von wunderschönen Königspinguinen der Crew von Heritage so gut gefallen, dass sie es in ihrem Katalog als Blickfang druckten. Von dort ging es an die deutschen Reiseveranstalter, die mit Heritage arbeiten und plötzlich war ich Deutschlands Fotograf des Jahres. Auch ein Grund, dass ich ein bischen Heritage-süchtig bin!

Das berühmte Macquarie Island Foto (c) Gunther Riehle

Das berühmte Macquarie Island Foto (c) Gunther Riehle

Ach Ja, ich benutze eine Nikon D4 und als Backup meine alte Nikon D300.

NZ2Go: Unglaublich das alles. Wann ist die nächste Reise geplant? Und was kostet der Spaß überhaupt?

Es geht bei etwa 6000 Euro los und nach oben hin gibt es kaum Limits. Wenn man bedenkt, was man dafür bekommt ist das nicht wirklich viel, finde ich.

Die nächste Reise geht mit „Heritage Expeditions“- wem sonst? – auf die Wrangel Insel im russischen Nordpolarmeer. Eisbären, Moschusochsen, Schneegänse, Schneeeulen, Walrosse und vieles mehr erwarten mich und vier andere Reisende, die ich übrigens zufällig von früheren Trips kenne. Wrangel ist UNESCO World Heritage List Nature Preserve.

Und ich werde mich per Flugzeug mit einem Zelt bei einer Kolonie Kaiserpinguinen in Antarktika absetzen lassen und dann eine Woche knipsen. Bis 2017 sind alle Urlaubstage jedenfalls verbucht!

Blauer Eisberg Antarktika (c) Gunther Riehle

Blauer Eisberg Antarktika (c) Gunther Riehle

Aber vorher steht noch meine Hochzeit an, diesen Mai. Wir haben uns auch auf einer Heritage-Reise kennengelernt. Das scheint etwas Schicksalhaftes zu haben.

***

NZ2Go wünscht alles Gute zur baldigen Hochzeit und noch viele kühne Abenteuer und überwältigende Fotos. Jetzt muss ich mich erst Mal von diesem Interview erholen :-) … sicher eines der spannendsten in der Geschichte dieses Blogs. Vielen Dank, Gunther, und halt die Ohren steif!

Auckland Islands

Campbell Island

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