Opinion: Neuseeländische Deutschlandbilder

Lesedauer: 2 Minuten

Das Spiegelbild zum Artikel von gerade vorher ist gar nicht so flott erzählt. Natürlich, natürlich, die Naziklischees, die wir anscheinend so lieben, dass wir sie noch immer kraftvoll in die Welt posaunen … nur hört keiner mehr richtig hin, denn außerhalb Deutschlands ist das Thema weitgehend erledigt (modulo Rettungsschirmeuropäer), und in Neuseeland sowieso. Ein deutsches Auto als Blechpenis zu führen, oder ein teutsches Frollein als Trophäe umgelegt bzw. mal einen Hunnen ausprobiert zu haben, das berührt das Herz des zeitgenössischen Kiwi doch viel intimer, als unsere einschläfernden Sagen wie aus Schlechtmenschen Gutmenschen wurden.

Aber auch Neuseeland hat seine Seelenforscher.

Der Musiker und Wahl-Kölner mit neuseeländischem Migrationshintergrund Hayden Chisholm ist einer der in die Tiefe geht, und uns jetzt seinen Film „Sound of Heimat“ präsentiert, in dem er versucht zu verstehen, warum ‚der Deutsche‘ sich lieber nach Neuseeland sehnt – das er (a) nicht kennt, und (b) meistens auch gar nicht kennen will, nicht wirklich, jedenfalls – statt sich die Zeit zu nehmen die kulturelle Vielfalt Deutschlands zu entdecken. Der Trailer zum Film

hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Zwar kann man wohl wirklich einen Road Movie à la A7 von Flensburg nach Füssen erwarten und schon anhand dessen staunen, wie wenig langweilig Deutschland sein kann, wenn man die kindliche Neugier eines ‚Ausländers‘ ranlässt. Andererseits mag ich die Kameraführung nicht besonders und kann mich auch kaum für Volksmusik begeistern, sei es deutsche oder andere. Vielleicht bin ich dazu zu sehr lebenslanger Städter. Was trotzdem gefällt ist die natürliche Freude der Volksmusiker an ihrem Treiben, und – eventuell – ein paar Einblicke in die von Selbstzweifeln bis -hass zerrissene deutsche Seele, der Hayden Chisholm hoffentlich mit etwas mehr Sympathie begegnet, als der ordinäre deutsche Moralist.

Der Film startet am 27.09.2012, also heute, in deutschen Kinos. In den neuseeländischen Medien habe ich nichts davon gehört, ergo ist anzunehmen, dass der Film dort vorerst nicht ausgestrahlt wird, auch wenn das mal ein echter Event wäre. Kiwis mit deutscher Volksmusik zudröhnen, und das Ganze von einem Expat erklären lassen: das könnte sogar funktionieren. Es wäre zumindest ein aufregendes Experiment.

Wenn jemand den Film gesehen hat und irgendwas dazu sagen möchte, dann bitte ‚Kommentar schreiben‘, oder so. Wäre schön!

Eine Antwort auf Opinion: Neuseeländische Deutschlandbilder

  1. Kio ora,
    deine Tipps sind echt gut….
    Wollte früher gerne nach NZ auswandern. Drei Urlaube und viele gute Gespräche mit Kiwis bewegten mich zum Bleiben. Unter anderem würde mir unsere Kultur immens fehlen. Seit 10 Jahren lebe ich -von Süddeutschland stammend- im Osten unseres Landes. Mehr Fremdheit geht nicht, dazu die schönste Natur, Stille, Platz zum Leben und unsere Hauptstadtkultur vor der Haustüre.
    Als große blauäugige Blondine habe ich genügend Blicke im Ausland erlebt, die mir Unwohlsein signalisierten.
    Als Germans wirken wir zu stark, zu durchsetzungsfähig, zu groß, meist erfolgreich, oft gebildet, dass macht den Menschen verständlicherweise Angst. Da hilft auch kein freundliches Gesicht, keine offene Haltung, kein sich Zurücknehmen, kein sich verstecken. Wir sollten unser Erbe schätzen (ausgenommen die 12 Jahre Naiherrschaft) und unsere kurze Lebenszeit sinnvoll nutzen.
    Mir gefallen die Maori, – mit ihrer unzivilisierten, aber durchaus strengen Art. Sie pflegen ihre Familie, ihre Gemeinschaft im Marae, ihr Erbe, ihre Geschichten , ihre Lieder und sie bestehen darauf, dass ihr Land, ihr Wasser und ihre Luft nicht käuflich sind. Auch sie hatten eine blutige Vergangenheit und entdecken z.Z. erneut ihre Identität. Es ist ein zarter Beginn.
    Kio ora
    Ja, es ist mir bekannt, das man in NZ keine Natives mag,….sind alle kriminell und trinken,…diesen Menschen kann man niemals trauen.

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