Opinion: Dotcoms Moment der Peinlichkeit

Diesen Samstag wird in Neuseeland das neue Parlament gewählt – dazu haben wir bereits mehrfach berichtet. Glaubt man den Umfragen, wird es Amtsinhaber John Key trotz hektischer Momente in den letzten Monaten wohl schaffen ein drittes Mal in Folge die Regierung zu stellen. Letzte Prognosen favorisieren seine National Party bei etwa 45% Zustimmung der neuseeländischen Wähler. Fast mit Sicherheit steuert Key dabei auf irgendeine Koalition zu, wie in einem deutsch-inspirierten Wahlsystem üblich. Poltitisches Urgestein Winston Peters und seine New Zealand First Partei haben dabei die besten Aussichten das verbleibende Stück der Macht abzukriegen.

Ganz anders sieht es für unseren Landsmann ‚Kim Dotcom‚ und dessen Internet Mana Party aus. Nach anfänglicher Sympathie für den „underdog“, den Außenseiter, der scheinbar galant gegen eine etablierte Übermacht kämpft, dümpelt die Partei bei momentan nur 1-2% Wählerzuspruch. In Deutschland würde das unter ‚Sonstige‘ klassifiziert und – berechtigterweise – kein Medieninteresse wecken. Dem natürlichen Showtalent Dotcoms plus dessen PR-Supergau bei einer „Moment of Truth“ Pressekonferenz am Montag dieser Woche verdanken wir es aber, dass seine Splitterpartei noch gut ist für ein paar Negativschlagzeilen in Neuseeland und – überraschenderweise – auch für die wohl längste Neuseeland-Story seit Jahren in der heutigen FAZ!

Was war passiert? Dotcom hatte angekündigt am Montag ‚Beweise‘ vorlegen zu wollen, dass John Key und die neuseeländische Regierung eine Verschwörung zum Massenaushorchen der Kiwis nach NSA-Muster betreiben. Nur … aus den Beweisen wurde trotz online Anwesenheit der Enthüllungsprofis Snowden, Assange und Greenwald nichts, da sie schlicht nicht zu existieren scheinen und John Key seine Hausaufgaben gemacht und rechtzeitig Kabinettsakten freigeben lassen hatte aus denen hervorgeht, dass der neuseeländische Geheimdienst im Inland nur punktuell und begründet Kommunikationsdaten auswertet. Auch angebliche ‚Beweise‘ Dotcoms zu einer gegen ihn gerichteten Verschwörung zwischen John Key und Hollywoodmagnaten überzeugten das Publikum nicht.

In der Folge ist Dotcom in den Medien mit Spott und Häme überzogen worden. Wer digitalen Robin Hood spielt und auf andere mit Fingern zeigt, exponiert sich eben ganz besonders, wenn man ihn mit praktisch nichts in der Hand erwischt. Letztlich kämpft Dotcom noch immer gegen seine Auslieferung in die USA. Eine wie auch immer geartetete Rolle als Opfer schlimmer politischer Verschwörungen wäre dabei sicher hilfreich gewesen. Das ist menschlich nachvollziehbar, macht nun aber viele Kiwis wütend, da in deren Sicht – auf gut deutsch – irgendein dahergelaufener Ausländer den neuseeländischen Wahlkampf benutzt, um sich in einem Rechtsstreit besser zu stellen. Der Ärger sitzt inzwischen so tief, dass sogar sein Parteifreund Hone Harawira Gefahr läuft seinen speziellen Maori-Sitz im Parlament zu verlieren. Hier ein paar Kostproben aus dem New Zealand Herald der letzten Tage:

„He [Anm.: Dotcom] is now a national laughing stock.“

„Dotcom’s credibility dropping fast.“

„Dotbomb’s disaster.“

Mich selbst berührt die Dotcom Saga inzwischen peinlich. Der Mann ist mit Sicherheit und Abstand der zur Zeit bekannteste Deutsche in Neuseeland. Welch ein Prachtexemplar und Aushängeschild.

Noch peinlicher ist allerdings der phänomenale Lapsus der FAZ in der Präsentation der aktuellen Wendungen im Fall Dotcom. Der Autor des Artikels entblödet sich nicht schon in der Überschrift Dotcom zu attestieren im positiven Sinn die „neuseeländiche Politik aufzumischen“. Da war wohl jemand zu bequem auch nur rudimentärste Recherche zu investieren. Naja, leider nichts Neues was Berichterstattung zu Neuseeland in deutschen Medien und Blogs angeht. Von der FAZ hätte ich trotzdem etwas mehr journalistisches Format erwartet. Kein Wunder, dass die Konkurrenz dieser Tage genüsslich melden kann, dass die FAZ im wirtschaftlichen Niedergang begriffen ist und 200 Mitarbeiter entlässt.

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Eine Antwort auf Opinion: Dotcoms Moment der Peinlichkeit

  1. Stefan sagt:

    Hallo peter,

    geh mal auf kopp-nachrichten.de und lese dir durch, was dort über die FAZ geschrieben wird,…..
    AUch wenn bei KOPP viel Bullshit verzapft wird, wenn es um Medien und Terrorismus geht, sowie um Wirtschaft und Finanzen sinde die schon gut informiert, in der regel, haben auch Hintergrundwissen, was die FAZ schon lange nicht mehr hat…..

    PS: Ich als Deutscher schäme mich für Kim dotcom, der fette Bastard ist ein Lügner von A bis Z, damals in Deutschland hat er schon nix gerissen und echte haclker bezahlt die seine Codes schreiben mussten, seine Patente sind ein Witz und Megaupload, lol so innovativ und originell wie „Markenprodukte“ auf nem Nachmarkt in Shenzhen…….

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