Taonga: Radio New Zealand

Irgendwo habe ich mich bestimmt schon über die schreckliche Qualität des neuseeländischen Fernsehprogramms beschwert. Niveaulose britische und amerikanische Vorabendserien („CSI Wanne-Eickel“ usw.), australische und hausgemachte Soaps, Sport, und Nachrichten aus der Dose mit einem Overkill an Wettervorhersagen wechseln sich bin zum Erbrechen ab. Wobei neuseeländische Wettervorhersagen sogar ihren ganz eigenen Platz und Charme haben, denn unberechenbarer und sagen wir mal ‚abwechslungsreicher‘ als das neuseeländische Wetter geht es kaum, und das bewegt die Menschen sehr – ganz ohne Ironie.

Nur Sonntagabends, ganz spät, gibt es manchmal einen Lichtblick auf ONE in Form von pfiffigen bis bizarren Kultursendungen, und ich schaue auch immer wieder Tagata Pasifika … weil ich die pummeligen Samoaner, Tonganer usw. die dort auftreten einfach goldig finde :-) … Interessanterweise zeigt Maori TV übrigens zuweilen europäische Autorenfilme … naja, aber war auch nicht das Thema.

Radio New Zealand ist anders gelagert. Zwar auch von viel Seichtheit durchsetzt, und manchmal fast amateurhaft gemacht, wird man doch eher fündig, wenn es um Substanzvolles und Relevantes mit Aha-Effekt geht. Die Webseite bietet ein Füllhorn an hochinteressanten Sendungen, die es mit deutschem Kulturhörprogrammen – die auch nur ausnahmsweise wirklich beeindrucken – aufnehmen können, wenn auch zahlenmäßig der Umfang eher gering ist. Seien wir großzügig und schreiben es der Größe, oder besser Kleine, des Landes zu, und dem Umstand, dass Radio New Zealand keine milliardenschweren GEZ Pfründe zur Hand hat.

Hier einige Empfehlungen des Hauses NZ2Go:

Ngā Uruora: Faszinierende Geschichten zur neuseeländischen Natur-, Kultur-, und überhaupt Geschichte, für Fortgeschrittene, die schon ein wenig über Neuseeland wissen (z.B. durch Lektüre diese Lesebuchs in Blogform! Insbesondere meiner George Gibbs Rezension) und deswegen nicht von der Informationsfülle überwältigt werden. Interessant für Leute auf Neuseeland-Entzug sind die Lautuntermalungen, die Euch sicher an Eure Tage in NZ erinnern werden. Daneben natürlich Proben des Kiwi-Akzents, und Te Reo – ‚Maorisch‘ … sehr schön, echt.

Monumental New Zealand: Wenn ich darüber nachdenke, stimmt es schon – Neuseeländer setzen gerne irgendwelche Erinnerungsplaketten an alle möglichen Orte. Hier eine der lustigeren auf einer Parkbank in Wellington

Parkbank in Wellington
Parkbank in Wellington

Wer mag das wohl gewesen sein, Mr Dunlop? Vielleicht ein freundlicher alter Kauz, mit ein paar grauen Flaumhaaren, Hornbrille und nicht ganz sitzender Kleidung, der täglich mit seinem Hund, „Mr Flynn“ durch den Park spazierte, bis er eines Tages nicht mehr auftauchte, und den die Menschen, die ihn lieb gewonnen hatten so vermissten, dass sie eine Plakette auf seine angestammte Parkbank schrauben ließen? Hmmm … das wäre möglich.

Hier noch eine, irgendwo um Muriwai herum. Die Plaketten sind mir also tatsächlich aufgefallen, auch ohne Radio New Zealand.

 

Sitzbank mit Widmung bei Muriwai

Sitzbank mit Widmung bei Muriwai

 

Egal: „Monumental New Zealand“ versucht der Plakettenverliebtheit auf den Grund zu gehen. Viel Vergnügen beim Mitgrübeln!

An Indescribable Beauty: Ist mir ein ganz besonderes Vergnügen. Es werden Auszüge aus den Briefen – ins Englische übersetzt – des deutschen Einwanderers Friedrich August Krull an seine Mecklenburger Familie verlesen und kommentiert, Briefe aus dem Jahre 1859. Auch damals waren in Wellington die Mieten schon unverschämt, die Häuser eher primitiv, und der Wind umwerfend. Ich kann berichten, dass sich anno domini 2012 nichts geändert hat … Unser Krull begeistert sich für Bäume und Vögel (Ähnlichkeiten mit dem Autor sind zufällig und unbeabsichtigt), und jagt auf der so deutschen Suche nach Authentizität ursprünglichen Maori an der Kapiti Küste und in der Wairarapa hinterher. Besonderer Brüller: der Vorleser versucht einen deutschen Akzent zu imitieren, mit gemischtem Erfolg. Hätten Sie nur mich gefragt …

***

Auch wenn die o.g. Inhalte nicht gefallen sollten, so ist die Radio NZ Ressource doch zumindest als „Connect“ zum alltäglichen Leben Neuseelands immer einen Besuch wert. Als live stream könnt ihr Euch dort schon mal vor der Auswanderung nach Neuseeland (!?) reinziehen, was ihr dann potentiell im Morgenstau auf der Aucklander Brücke anhören werdet :-) … aber ganz im Ernst, Deutschland-abends ab und zu in neuseeländischen Morgennachrichten reinzuhorchen ist nicht das Dümmste, wenn man sich vorstellen will, wie es so ist, am anderen Ende der Welt, das ganz normale Leben … uns ist die ganze Sache jedenfalls das Prädikat taonga, Schätzchen, wert.

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