SideTrack: Changing the New Zealand ‚flig‘

Lesedauer: 2 Minuten

Gerade hat man John Key nach seiner zweiten Wiederwahl doch noch als ernst zu nehmenden Politiker entdeckt … und schon stellt sich die Frage, ob es nicht ein Mißverständnis gewesen ist.

Denn wovon redet der Mann auf dem Zenith seiner Macht?

Von der Schaffung neuer Industrien (ungleich Landwirtschaft, Tourismus, Hobbitkram), die den relativen Wohlstand Neuseelands in die Zukunft hinein sichern könnten? Wie junge Neuseeländer sich wieder ein Dach über dem Kopf leisten sollen? Oder wenigstens wie man die häßlichen Terrorprobleme die inzwischen die Schwesternationen Australien und Kanada plagen in Neuseeland vermeiden kann? NEIN, oder wenigstens kaum … Er denkt statt dessen laut über eine Änderung der neuseeländischen Flagge nach. Der Union Jack oben links soll als koloniales Überbleibsel weg, man würde zu häufig mit Australien verwechselt und die Kanadier hätten es ja auch getan.

Antipodische Flaggenkunde: NZ, AUS, Lockwood Design und Māoriflagge

Antipodische Flaggenkunde: NZ, AUS, Lockwood Design und Māoriflagge

Ein Referendum – immerhin gibt es so etwas in Neuseeland – soll in den kommenden zwei Jahren in zwei Schritten abgehalten werden. Zuerst wird das neue Lieblings-Flaggendesign ausgesucht, danach abgestimmt, ob in Zukunft die neue oder die alte Flagge Neuseeland repräsentieren soll. Kostenpunkt – stirnrunzelnd – 25 Mio. Kiwidollar.

Nicht nur ich finde das witzig. Sogar im New Yorker Late-Night TV rätselt man mit viel gemeinem Humor über die Hintergründe :-) … unbedingt sehenswert und ob des satten britischen Akzents sogar gut verständlich (bitte Link oben links im Videostartbild klicken, das beim Hovern erscheint – direktes Abspielen wurde leider deaktiviert).

Die wie üblich dünnhäutige neuseeländische Reaktion auf abfällige Meinungen des Überbruders, insbesondere was den eigenwilligen Kiwiakzent angeht, ließ nicht lange auf sich warten, wird aber kaum noch die amüsierte Menge in den USA erreichen.

Meine Meinung? Das Thema ist momentan und auf Jahre hinaus irrelevant. Durch die Verbannung des britischen Elements werden die divergenten multikulturellen Strömungen in der Gesellschaft auch nicht besser zusammengehalten. Die wenigsten Neuseeländer, ob gebürtig oder zugewandert, sind wirklich auf ihre Nationalität stolz. Die Gründe dafür liegen ganz woanders und viel tiefer, nicht bei der Flagge (übrigens hat heute die deutsche WiWo einen guten Artikel zur Malaise der gesamten westlichen Zivilisation veröffentlicht, die auch Neuseeland krank macht).

Trotzdem gibt es natürlich viel ernsthafte Diskussionen zum Thema Flagge, zum Beispiel hier, wo auch jede Menge Alternativvorschläge zu bestaunen sind. Ich denke visuell mächtig, klar und von schlichter Schönheit ist nur die Māoriflagge, die aber politisch inzwischen verbraucht  ist. Leute, die diese Flagge über ihrem Haus wehen haben signalisieren ihre Ablehnung des neuseeländischen Mainstream, separatistische Ziele, zum Teil sogar Bandenzugehörigkeit usw. Die Lockwoodflagge, die John Key gefällt (im Bild links unten) ist zu kompliziert und kleinteilig. Die Blätter des Farns als Multikulturgewächs zu interpretieren, das verschiedene Migrantenströme in eine glückliche Kiwifamilie zusammenführt reflektiert medialen Zeitgeist und Wunschdenken, das wahrscheinlich nicht mehr lange halten wird.

Andererseits zeigt die Debatte auch, dass es Neuseeland im Moment relativ gut geht, so gut, dass die politische Klasse offenbar meint sich zurücklehnen zu können, um ihren Hobbies nachzugehen. Erfreuen wir uns also unserer „splendid isolation“ von den Krisenstürmen da draußen, so lange es noch geht 😉

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3 Antworten auf SideTrack: Changing the New Zealand ‚flig‘

  1. Stefan sagt:

    Also ich habe kein Mitleid mit den Maori!Klar, sie wurden unterdrückt, aber ey, jeder Maori der studieren will kann das in NZ locker machen, der kriegt doch verbilligte Studiengebühren und bei der Jobsuche hat er nen „Bonus“ weil er Maori ist! Aber wer halt lieber mit Drogen dealt und in Gangs chillt und die Schule mit 15 abbricht und Schwanger wird……….Sind ja nicht alle Maori so, zum Glück!!!!

    ICT ist definitv ein Zukunftsbereich, da hat die Internet Party von Kim Dotcom mal ne gute Idee gehabt!!

    Und was Kultur angeht, naja ich komm aus Süddeutschland, wir haben viele lokale Bräuche und Mundarten dort, jedes Dorf hat ein Dorffest und eine Geschichte und die Altnbe singne die Lieder die man halt vor 40 Jahrne so gesungen hat, aber naja, jedes Land und Volk hat so seine Kultur, auch die Kwiwis haben das und nicht nur wenn sie aus Asien stammen! Ich mein, wenn du ein Kiwi irischer Abstammung bist, nun deine Kultur ist von der irischen Kultur gekennzeichnet genauso wie wenn du Kiwi Italienischer Abstammung bist usw. Jedes Volk hat eine eigene Kultur, selbst Malta und das ist unglaulich winzig!

  2. Stefan sagt:

    Die Probleme die Kanada und Australien mit verrücktne haben gibt es in Neuseeland auch! Auch dort wird eines Tages in Idiot der sich “ Moslem“ nennt Leute umbringen und verletzen oder es versuchen! Aber hey, ich weiß ja nicht wie das in NZ ist, aber in Deutschland kriegt man auch für krasseste Straftaten mildeste Strafen, also selbst wenn man „lebenslang“ bekommt, ist man nach 18 Jahren wegen guter Führung draussen! Richter und Sozialarbeiter die nix können und nix wissen aber von meinen Steuergeldern leben, sind Schuld daran!!

    Wie will man in NZ neue Branchen schaffen?? Ausser der ICT industrie sehe ich da jetzt nicht viel Möglichkeiten…..Keien Ahnung wie Key da was ändern soll…..
    Ich bin Deutscher und wenn ich die Kiwis so sehe, also für mich haben die schon einne Nationalstolz, ganz anders als wir Deutschen!!

    • Peter sagt:

      ICT wäre doch einen Versuch wert. Auch wenn es nicht klappen sollte – dann weiß man wenigstens, dass es nicht hat sein sollen. Im Moment werden die wenigen Start-ups, die Neuseeland hervorbringt meistens schnell von Firmen in den USA geschluckt. Ich halte John Keys „Politik der untätigen Hand“ in diesem Zusammenhang für fatal. Im Moment gäbes es jedenfalls Geld und eine optimistische Grundstimmung.

      Ich habe irgendwann Mal geschrieben, dass ich Schulkinder getroffen habe, die ganz selbstverständlich sagten, dass sie keine Kultur hätten. Die hätten ja nur Maori und vielleicht noch die Asiaten. Das wird anscheinend in der Schule so erzählt und in der Glotze usw. wird auch am immerwährenden Opfermythos die Maori, der Migranten usw. gesponnen. Das hat nach ein paar Jahrzehnten Auswirkungen. Plus noch die Erosion der ehemaligen „westlichen“ Grundwerte im allgemeinen, siehe zitierten WiWo Artikel. Wie sich in so einer Gemengelage ein Gefühl von Identität und Gemeinschaft wieder stabilisieren und angesichts von Rekordzahlen an Einwanderern in Zukunft behaupten soll — ist mir unklar.

      Aber natürlich, im Vergleich zum inzwischen völlig seelenlosen Deutschland, mag das nicht so schlimm erscheinen.

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