SideTrack: Per Campervan durch Neuseeland 2.0

Lesedauer: 4 Minuten

Zugegeben, das Thema hat NZ2Go bisher noch nicht tangiert. Trotzdem wollen wir relevant bleiben und erkennen an, dass Neuseeland im Moment in Deutschland viel eher als Reisedestination, denn als Auswanderungsland wahrgenommen wird. Und Neuseeland per Campervan zu erkunden ist bei deutschen Neuseelandreisenden noch immer sehr angesagt – und nicht nur bei deutschen. Mir fällt da ein ehemaliger Nachbar von uns ein, mit seinem riesigen Winnebago Van, damals kaum billiger als ein Haus, den er sich zur Feier seiner Pensionierung gekauft hatte, um mit seiner Frau ein Jahr lang das ganze Land zu erkunden.

In der Tat, was sollte sinnvoller sein, als es in Rom so zu treiben wie die Römer, also nach echt neuseeländischer Information zum Campervaning in Neuseeland zu suchen? Und tatsächlich wird man fündig.

Adam Hutchinson und Crew bieten seit 2011 eine kostenlose Apple/Android App fürs Smartphone über die Seite campermate.co.nz an und betreiben außerdem eine klassische Schwesterseite camping.co.nz im nicht-mobilen Internet. Wir haben uns angeschaut was für Informationen dort zu finden sind, nämlich die Standorte von: (selbstredend) kostenlosen und -pflichtigen Campingplätzen, Tankstellen, Supermärkten, Klos und Duschen, free Wifizonen, Abfalleimern und Gruben usw. plus praktische Tipps zu bestimmten Camping-Reisezielen.

In guter Gesellschaft: 26.000 App Downloads seit 2011

Wird Campermate überhaupt genutzt und wenn Ja, von wem? Interessanterweise sind die größte Nutzergruppe tatsächlich neuseeländische Campervaner, die anders als Besucher nicht nur kurzfristig auf der Campermate-Community aktiv sind, sondern für die wertvollen Updates sorgen. Daneben sind – wenig Wunder – Australier, Engländer und US-Amerikaner stark vertreten. Außerhalb der Englischsprecher nutzen vor allem Chinesen und Deutsche das Angebot. Im Durchschnitt bewegen sich nicht-Neuseeländer 30 Tage auf der Plattform, also während des Zeitraums ihrer Campervanfahrt.

Eine aktive 2.0 Community+

Im Artikel zur Hotelsuche haben wir uns kritisch mit der Qualität von Bewertungsportalen auseinandergesetzt. Warum sollte es bei einer Campervan-Community anders laufen?

Campermate hat ein Informationsnetzwerk mit den Gemeinden in Neuseeland aufgebaut, die für die Einrichtung zum Beispiel von „Freedom Camping“ Plätzen zuständig sind. Wenn eine Gemeinde wieder einmal ihre Regularieren ändert, synchronisiert Campermate die neuen Daten direkt in die Smartphones auf denen die App läuft.

Zweitens hat Campermate, wie schon gesagt, eine aktive Kiwi-Community, die neue „locations“ anlegen kann und Campermate mitteilt, falls Information veraltet ist. Dieser Datenfluß wird vor allem genutzt, um Informationen zu Tankstellen, Supermärkten, öffentlichen Toiletten und Reisetipps auszutauschen.

Ein System, das sich ständig selbst verbessert

Laut Adam wächst die Nutzung der App exponentiell. Obwohl die App seit 2011 angeboten wird, gab es den ‚Durchbruch‘ in der Nutzerzahl erst diesen (Süd-)Sommer 2013/14. Dadurch, dass Nutzer den Datenbestand ständig verbessern wird die App attraktiver, was wiederum zu einer Verbesserung des Datenbestands führt. Campermate hat anscheinend die notwendige Nutzerzahl erreicht um selbsttragend zu sein.

Wie in meinen Rezensionen klassischer Neuseeland-Reiseführer schon diskutiert, ist meiner Meinung nach die traditionelle Art der Vermittlung von Reiseinformation, also eine Person, oder ein paar Leute, die sich per statischem Medium (z.B. Buch) zu einem Thema auslassen, ein Auslaufmodell. Einer gut gemachten 2.0 Applikation wie Campermate gehört langfristig die Zukunft.

Was sind die Renner bei Campermate?

Kaiaua Beach, East Cape, nördlich von Gisborne (c) Adam Hutchinson

Kaiaua Beach, East Cape, nördlich von Gisborne (c) Adam Hutchinson

Was es nicht gibt: einen Routenplaner

Als typischer Kiwi meint Adam, dass das Tolle am Campervanurlaub doch gerade die Abwesenheit von Planung sei 😉 … man ist frei wie ein Vogel, solange für Essen und Benzin gesorgt ist. Der Mann steht zu seinem Wort …

Da hat er natürlich die Rechnung ohne den vorausdenkenden Deutschen gemacht. Immerhin verweist er auf die Routenvorschläge und den Planer von Tourism New Zealand, die ich auch nicht schlecht finde.

Gibt es auf dem flachen Land Probleme mit der Netzwerkverbindung?

CamperMate funktioniert auf 97% der (automobil zugänglichen) Fläche Neuseelands. In den anderen 3% liefert Campermate eine eher verschwommene Hintergrundkarte, so dass man die Details schlecht erkennen kann.

Erfahrungsgemäß funktionieren die SIMs (siehe Handytarife in Neuseeland, wenn auch schon etwas angestaubt) von Vodafone für App-Zwecke am besten. Am praktischsten aber ist die „tourist SIM“ von 2degrees für ganze 5 Kiwidollar (3 Euro), die man an den Touristeninformationen („i-site“) oder den großen Flughäfen kaufen kann. 2degrees nutzt hauptsächlich die Funkmasten von Vodafone, so dass die Konnektivität im allgemeinen gut genug ist.

Warum kann ich die Datenbanken von Campermate nicht als PDF herunterladen?

An sich ist ein Papier-Backup keine schlechte Idee, aber Campermate hat sich in den MoUs mit den Gemeinden dazu verpflichtet eben keine statische Information zu verbreiten, weil die Gemeinden die Regeln oft ändern und vermeiden wollen, dass ihr mit einem Ausdruck in der Hand denkt, dass die Dinge so-und-so funktionieren, wenn sie in Wirklichkeit gerade geändert wurden. Immer real-time auf dem neuesten Stand zu sein vermeidet einfach Missverständnisse und Ärger. Urlaub soll schließlich Spaß machen.

Wann gibt es Campermate auf deutsch?

Bald. Und der Autor arbeitet an der Übersetzung pro bono mit!

***

Einen Versuch Wert, würde ich sagen. Falls einer von Euch schon mal Campermate genutzt hat, wäre ein Kommentar zur Nützlichkeit und Nutzbarkeit eine gute Idee … ich meine ja nur.

Last but not least, zur Frage warum Campermate seine Software und Information eigentlich umsonst hergibt? Weil Adam und Freunde selbst von „road holidays“ und den neuseeländischen „outdoors“ begeistert sind und die Freude teilen möchten. Ihr Geld verdienen sie mit anderer Software. Finde ich gut und deshalb unterstützen wir Campermate.

6 Antworten auf SideTrack: Per Campervan durch Neuseeland 2.0

  1. P.L. sagt:

    Hallo,

    wir haben die App die letzten 8 Wochen vor Ort und im Vorfeld zur Planung intensiv genutzt. Für die Frage, ob es in der Nähe von Ort X einen Platz gibt, ist sie einfach unschlagbar. Die hinterlegten Infos waren nicht immer auf dem aktuellen Stand, die Links auf die Webseiten der Plätze konnten diese Lücke füllen.

    Die Nichtverfügbarkeit im Offline-Modus habe ich dadurch „überlistet“, bei Online Verfügbarkeit über das Zielgebiet der nächsten Tage zu scrollen. Die Daten wurden heruntergeladen und auf dem iPad gespeichert.

    Viele Grüße.

    P.L.

  2. Oliver sagt:

    Hallo,
    Würde mich freuen, wenn Du Dir auch mal meine (kostenlose) App Nest Finder für Zeltplätze, Hütten und Hostels anschaust. Der wesentliche Vorteil gegenüber Campermate ist, daß sie auch vollständig offline, also auch mitten im Busch, noch funktioniert: bit.ly/nestfinder oder suche I’m Google Play store.
    Die Pro Version bringt offline fähige Topo maps für NZ mit sich.
    Cheers,
    Oliver

  3. Jenny sagt:

    … und Campermate ist damit auch unschlagbar günstiger und sympathischer als Rankers.co.nz, dessen App schlappe 15 USD kostet. Irgendwo dazwischen, und mit dem unschlagbaren Vorteil, dass sie auf Deutsch und auch für internetfreie Zonen geeignet sind, rangieren übrigens unsere (über 300!) Weltwunderer-Freedom-Camping-Spots, die bei uns im Blog gekauft werden können (so viel Schleichwerbung sei erlaubt, oder?).

    LG
    Jenny

    PS: Apropos Reiseführer: Wenn du als kritischer Leser mal wieder was verreißen willst, würde ich dir gern ein Rezensionsexemplar meines soeben erschienenen Buches „Als Dach der Sternenhimmel: Camping in Neuseeland“ schicken. Hast du Lust?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>