FactSheet: Neuseeland in Zeiten des Coronavirus

Die neuseeländische Regierung hat lange gezögert, ist dann am 2. Februar 2020 aber doch noch dem Vorbild Australiens und der USA gefolgt und hat – auf den ersten Blick – ähnlich strikte Reisebeschränkungen zur Eindämmung des Wuhan Coronavirus in Neuseeland erlassen.

Offizielle Reisebeschränkungen

  • Reisende, die sich binnen 14 Tagen vor Abflug nach Neuseeland in China aufgehalten, oder auch nur Zwischenstation in China gemacht haben werden abgewiesen, dürfen also nicht in Neuseeland einreisen, außer sie sind neuseeländische Staatsangehörige oder ‚permanent residents‘ (also Inhaber einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung). Einreisen dürfen außerdem nicht-neuseeländische unmittelbare Familienangehörige von Staatsbürgern oder ‚permanent residents‘, die sich auf dem selben Flug oder Schiff befinden, wobei Familienangehörige hier als (Ehe)Partner, Eltern oder Kinder unter 24 Jahren definiert sind. Eine Ausnahme gilt auch für australische Staatsangehörige und ‚permanent residents‘, falls sich deren Lebensmittelpunkt in Neuseeland befindet.
  • Reisende aus oder über Macau, Hong Kong, Taiwan, Japan und Südkorea sind von den Reisebeschränkungen derzeit nicht betroffen.
  • Diejenigen Kiwis und Familienangehörigen, die nach einem Chinaaufenthalt in Neuseeland ankommen, sind gehalten sich in vierzehntägige Selbstquarantäne zu begeben.

Diese Regelungen gelten zunächst bis zum 24. Februar 2020, werden aber alle 48 Stunden neu bewertet und ggf. angepasst. Wir werden versuchen sie hier auch aktuell zu halten.

Corona Quarantäne zum Selbermachen?

Überfliegt des Spaßes halber den offiziellen Guide des neuseeländischen Gesundheitsministeriums zur Selbst-Quarantäne: zu lang, zu kompliziert, und dann doch wieder zu einfach und zweideutig. Es wird die in Deutschland entwickelte Technik der Armlänge Abstand verfolgt, „wenn möglich“ und wenn nicht, dann halt Pech gehabt. Und bei Ankunft am Flughafen wird nicht einmal auf Fieber geprüft. Die Leute kriegen ihren Selbstquarantänezettel in die Hand gedrückt und können einfach gehen. Das neuseeländische Gesundheitsministerium erwartet zwar, dass sich China-Rückkehrer selbstständig melden und in ein Register eintragen lassen während sie sich in die 14-tägige Eigen-Isolation begeben, doch diese Aufforderung scheint weitgehend nicht befolgt zu werden.

Ist es wirklich so kompliziert und unzumutbar aus China zurückgekehrte Neuseeländer schon bei Ankunft am Flughafen dazu zu bringen sich in die Datenbank des Gesundheitsamts einzutragen? Eine einzige bestätigte Ansteckung könnte Neuseeland schließlich Millionen an Tourismusumsatz kosten.

So lange niemand mit Bestimmtheit sagen kann wie gefährlich und vor allem leicht übertragbar dieser Erreger ist, finde den nachlässigen Umgang der neuseeländischen Behörden mit der Epidemie schwer nachvollziehbar. Ins Gesamtbild der Regierung Ardern passt die Situation natürlich allemal. Abwesend, denkfaul, um nicht zu sagen … naja …

Praktische Überlegungen

Abgesehen von den amtlichen Vorgaben der neuseeländischen Regierung stellt sich natürlich die Frage, was das alles für eine eventuell noch geplante Tour zu den Antipoden – Februar und März sind schließlich die schönste Reisezeit – bedeutet. Soll man wie die neuseeländische Regierung darauf hoffen, dass schon alles gut gehen wird, oder tatsächlich auf die Reise verzichten?

Obwohl die derzeit gültigen Reisebeschränkungen Stand heute [15.02] am 24. Februar auslaufen, wäre es sicher ein hohes Risiko über Festlandschina (z.B. mit China Southern Airlines) nach Neuseeland anreisen zu wollen. Die Frist bis zum 24.02 kann selbstverständlich ohne Ankündigung jederzeit verlängert werden – und will man tatsächlich ins Epizentrum des Ausbruchs reisen und sei es nur für einen kurzen Zwischenaufenthalt am Flughafen?

Flüge über Singapur, das die zweithöchste Seuchenwarnstufe ausgerufen hat, Hong Kong (Cathay Pacific fliegt sowieso nicht) oder Taiwan sind formal momentan kein Problem, aber die Richtlinien der neuseeländischen Regierung dazu könnten sich auch schnell ändern, sobald sich die Situation gravierender darstellt. Mir wären diese Destinationen, also ganz Asien incl. Indien prinzipiell zu nahe am Brandherd.

Flüge nach Neuseeland, gerade auch über Amerika oder den Mittleren Osten und Australien, enthalten fast immer ein oder zwei Langstrecken, also Flüge, die weit mehr als die acht Stunden dauern die laut „Wissenschaft“ (man vergebe mir den unerträglichen FFF Begriff) trotz durchdachter Filter- und Luftaustauschtechnologien ein Ansteckungsrisiko darstellen. Ich persönlich würde es dennoch in Kauf nehmen, wenn ich mir sicher wäre, dass mein Immunsystem gut in Schuss ist, keine Vorerkrankungen bestehen, die kritische Altersgrenze noch nicht überschritten ist usw. und ich wirklich unbedingt noch dieses Jahr nach Neuseeland wollte oder müsste. Daneben – klar – ist im Langstreckenflieger peinlichst auf Hygiene zu achten (Grippe- und Coronaviren können auf unbelebten Oberflächen tagelang aktiv bleiben), also desinfizierende Tücher mitbringen und benutzen, ungewaschene Finger generell aus Mund und Augen lassen und nicht unbedingt die Nähe zu Mitreisenden suchen.

Einmal in Neuseeland sind die laxen Quarantänevorschriften vielleicht ein wenig abschreckend, andererseits ist hier gerade Sommer und das ewig windige, eher luftfeuchte und im Moment sommerlich warme Klima meines Wissens kein guter Nährboden für Grippe- und Coronaviren. Plus, die deutsche Regierung schläft in Sachen Wuhan-Virus ja bekanntlich auch vor sich hin und hat nicht einmal ernsthafte Reiseeinschränkungen erlassen. Neuseeland hat, im Gegensatz zu Deutschland, bisher – touch wood – keinen bestätigten Fall von Wuhan-Virus.

Corona im neuseeländischen Alltagsleben

Erste Auswirkungen auf den Alltag in Neuseeland zeichnen sich – wie anderswo – bereits ab. Die sonst so beliebten China Restaurants werden gemieden, Chinesen, oder Asiaten insgesamt, müssen sich schiefe Blicke, Ablehnung und ganze Straßenbreiten Abstand gefallen lassen. Laut seiner Heiligkeit, des amtierenden Bürgermeisters von Auckland, Phil Goff, Belege für Rassismus und einen Mangel an menschlicher Solidarität – als wäre instinktiver Selbstschutz verwerflich und als würde die Welt prinzipiell der (im weitesten Sinn) „Verursachergruppe“ Sympathie schulden. Es ist nun einmal Fakt, dass im Moment weit über 99% der Infizierten der chinesischen Ethnie angehören. Falls sich das Virus durch alle Kontinente fressen sollte, werden sich Menschen sicher universell aus dem Weg gehen, zur großen Freude von Bürgermeister Goff.

Auch in Neuseeland wird also von offizieller und medialer Seite versucht Handel und Verzehr von Wildtieren in China (oder gar ein Unfall in einem Labor?), die sehr wahrscheinlich zum Ausbruch der Seuche führten totzuschweigen, oder gar zu einer unvorhersehbaren Naturkatastrophe umzudeklarieren und die Sinosphäre von jeglicher Verantwortung freizusprechen. Das darf man natürlich auch anders sehen. Ich finde es jedenfalls bemerkenswert wie sehr die KP Chinas den weltweiten Diskurs beherrscht und berechtigte Fragen nach der chinesischen Verantwortung bis hin zu – warum nicht – Entschädigungszahlungen im Keim erstickt. Wäre die globale Öffentlichkeit ebenso verständnisvoll, wenn – sagen wir – der Coronaausbruch auf eine Jagdexpedition alter weißer Männer (vielleicht sogar mit SUV) in Norwegen oder Schweden zurückzuführen wäre? Fragen.

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Ob COVID-19 genauso schnell verschwinden wird wie es auftauchte werden die nächsten Wochen zeigen.

Ich vermute eher nicht. Die Krankheit scheint sehr viel ansteckender als zunächst gehofft, es ist gesichert, dass auch Träger des Virus, die symptomfrei sind andere anstecken können und absolut sicher ist, dass die vielen Millionen chinesischer Geschäftsleute und Glücksritter, die in Afrika und anderen Ländern der Dritten Welt aktiv sind dort auf nicht existente Gesundheitsssyteme treffen, die bestens geeignet sind das Virus auf alle Zeiten zu verstetigen. Bis ein Impfstoff entwickelt ist, wird es wohl keine prinzipielle Entwarnung geben.

Andererseits ist es auch zu früh sich im Stil des Decameron einzuschließen um die Pest auszusitzen. Für mich selbst würde ich es für vertretbar halten auf Routen, die einen Bogen um Asien machen nach Neuseeland zu reisen, zumindest solange in Downunder noch Sommer ist. Und als Kehrseite der Virusplage, zusammen mit den inzwischen gelöschten Buschbränden in Australien, fallen die Ticketpreise Richtung Australien/Neuseeland auch schon deutlich … take care of yourselves!

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