Opinion: Kiwis als Schafe

Gut eine Woche nach dem Massaker in der Al-Noor Moschee am Hagley Park in Christchurch (an dem ich übrigens lange Zeit selbst gelebt habe) wurden meine Befürchtungen zur Instrumentalisierung des Anschlags durch den neuseeländischen Mainstream noch übertroffen.

Vertreter der Politik wie Virtue-Signalling Premierministerin Jacinda Ardern oder die grüne Dont-Waste-a-Crisis Abgeordnete Golriz Ghahraman sind eifrig dabei die Toten von Christchurch in politisches Kapital zu verwandeln und haben es in nur wenigen Tagen geschafft die liberalen Grundpfeiler unserer Gesellschaft in Frage zu stellen.

Spiel mit dem Feuer der Kollektivschuld

Anders als bei islamisch motivierten Gewalttaten ist plötzlich keine Rede mehr davon den Hass der Terroristen durch Liebe und Vergebung besiegen zu wollen, sich nicht zu Generalaburteilungen ganzer gesellschaftlicher Gruppen hinreißen zu lassen und einfach so weiterzuleben wie immer, um den Terroristen ihren Triumph zu verweigern.

Nach Terrorangriffen mit islamischem Hintergrund ist es unter westlichen Politikern inzwischen üblich geworden sich demonstrativ mit Vertretern islamischer Gemeinden zu zeigen, um Vorverurteilungen vorzubeugen und zum Ausdruck zu bringen, dass die überwiegende Mehrzahl der Muslime friedlich in unserer Mitte lebt.

Westliche Intellektuelle theoretisieren in anderen Umständen auch gerne über eine versagende Gesellschaft die die Terroristen zu solchen Untaten geradezu provoziert hätte.

All diese Appeasement-Rituale sind im Fall Christchurch offenbar in ihr Gegenteil verkehrt worden.

Weiterleben wie immer, sonst haben die Terroristen gewonnen

Eine unfähige Regierung, die sich seit ihrer Wahl substantieller Politik weitgehend verweigert und politische Entscheidungen in eine Unzahl von Beratergremien delegiert hat, verabschiedet plötzlich innerhalb von Tagen ein Dekret, das halbautomatische Waffen für illegal erklärt. Und das obwohl Brenton Tarrant seine Waffen auf eine Weise manipuliert hatte, die bereits illegal ist.

Jacinda Ardern macht es vor und unzählige Neuseeländerinnen, die sonst so viel auf ihre Emanzipation halten, äffen es gedankenlos nach und ziehen sich das Kopftuch, also das hochumstrittene Symbol der Unterdrückung der Frau im Islam über.

So sieht es also in Neuseeland aus, wenn man sich von einem Terrorangriff den Lebenstil nicht streitig machen lassen will.

Nur am Rande: weiß jemand von einer Solidaritätsbekundung muslimischer Frauen mit nicht-muslimischen Opfern eines Terroranschlags, bei dem für ein paar Minuten die Kopftücher abgenommen wurden?

Denunziation als neuer Kiwi Way of Life

Gut, „dobbing in your mates“ also über andere petzen, hat irgendwo – und mehr als anderswo – schon immer zur dunkleren Seite der neuseeländischen Psyche gehört. Allerdings war man bisher nicht unbedingt stolz darauf.

Seit dem 15. März ist das nun anders. Mutmaßliche „hate speech“ in sozialen Medien wird nun vielfach der Polizei, der NGO Netsafe und sogar Arbeitgebern gemeldet, die Polizei bzw. Staatsanwaltschaft leitet fleißig Ermittlungsverfahren ein und Politik und Medien jubeln.

Es kursieren auch schon schwarze Listen mit unbequemen Zeitungskommentatoren wie Mike Hosking, der (bisher) regelmäßig für den NZ Herald schreibt und dort zwar ab und an Klartext redet, mir aber eher als Vertreter der Interessen chinesischer Immobilieninvestoren denn als anti-islamischer Hassschreiber aufgefallen ist. Mike Hosking als Wegbereiter des Terrors?  Lächerlich, wenn es nicht so dumm und gefährlich wäre.

Islamkritik verboten

Womit wir zu Whitcoulls kämen, einem großen neuseeländischen Buchhändler, der moderne Bücherverbrennung praktiziert, indem die Bücher des kanadischen Psychologen und Schriftstellers Jordan Peterson aus dem Sortiment genommen werden. Meines Wissens sind Petersons Ansichten zum Islam bestenfalls milde islamkritisch. Aber im ganz neuen Neuseeland östrogengesteuerter Irrationalität sind konservative Ansichten zum Islam offenbar schon terrorverdächtig.

Was die Al-Noor Moschee selbst angeht ist es erstaunlich, dass Anzeichen für Verbindungen zu al-Quaida in all dem hyperaktiven Geschnatter totgeschwiegen werden. Mit der Moschee standen laut großer Mainstream Online Zeitung stuff.co.nz mindestens zwei radikalisierte australische (!) Konvertiten in enger Verbindung, eventuell mehr. Auch soll dort ein bekannter Hassprediger aus Indonesien gesprochen haben. Nur in einem Klima der Verfemung jeglicher Vorbehalte gegenüber dem Islam können diese Dinge plötzlich unwichtig werden.

Schlimmer als in Deutschland?

Hier bei NZ2Go legen wir seit bald einem Jahrzehnt viel Wert darauf ein Gegengewicht zu den vielen Rattenfängern aufzubauen, die in anderen deutschsprachigen Neuseelandseiten den Mythos Neuseeland skrupellos zu Geld machen.

Auch die Themen Terrorismus und Islam in Neuseeland haben wir bereits 2012 wohl als einzige aufgegriffen und klar gestellt, dass das offizielle Neuseeland am westlichen Islamisierungstrend teilhaben will und dass auch in Neuseeland der Islam die am kräftigsten expandierende Religion ist. Nach dem 15. März und der aggressiven Reaktion der neuseeländischen Politik und Medien darf man davon ausgehen, dass der Islam auch in Zukunft in Neuseeland bestens gedeihen wird. Niemand mehr sollte sich der Illusion hingeben, dass eine Auswanderung nach Neuseeland eine Flucht vor den Problemen der westlichen Welt bedeutet.

Tatsache bleibt auch, dass Neuseeland kaum politische und wenig wirtschaftliche Substanz hat und nur durch seine große Entfernung von den Krisenherden der Welt Schlimmeres – also eine Selbstaufgabe nach deutschem Vorbild – verhindert wird. Die übereifrige Selbstgeißelung und das haltlose Suhlen in Kollektivschuld der letzten Tage zeigen überdies über wie wenig Selbstrespekt oder gar Stolz tragende Elemente der neuseeländischen Gesellschaft verfügen. Man kann auch in Würde trauern, ohne die Grundfesten unserer liberalen Gesellschaft zur Disposition zu stellen.

Was hoffentlich nicht passieren wird

Nämlich:

  • Eine Wiederwahl der Regierung Ardern 2020, weil Jacinda mit ihrer Symbol- und Spaltpolitik zum Darling der internationalen Relotier geworden ist und eine nicht-Wahl ja fast schon sowas wie einem Terrorangriff auf Friede, Freude und Eierkuchen gleichkäme.
  • Eine Ausweitung der Aufnahme von Flüchtlingen und eine noch unverhältnismäßigere Bervorzugung muslimischer Flüchtlinge. In einer Welt in der das Christentum der schärfsten Verfolgung ausgesetzt ist würde eine solche Politik von Ideologie, nicht Menschlichkeit zeugen. Im übrigen verkraftet Neuseeland keine weitere Armutszuwanderung.
  • Da Neuseeland schon über spezielle – in meinen Augen tendenziell rassistische – Einwanderungsprogramme für „pacific islanders“ verfügt, bedarf es nicht viel Fantasie sich ein spezielles Wiedergutmachungsprogramm zur Einwanderung von Muslimen vorzustellen. Diese Maßnahme wäre extrem, aber auch konsistent mit dem bisherigen Auftreten Jacinda Arderns.
  • Islamkritik und Meinungsfreiheit im allgemeinen wird noch weiter unterbunden und wenn auch nur durch Ausdehnung der bestehenden Gesetze gegen Hassrede auf legitime Islamkritik.
  • Identitätspolitik, also die Spaltung der Gesellschaft in Gruppen, die sich nicht einfach als Neuseeländer, sondern als Māori, Frauen, LGBTQ, Moslems, usw. verstehen wird weiter forciert und damit Konflikte in der Gesellschaft angeheizt – die dann in einem Teufelskreislauf als Grund für weitere staatliche Repression herhalten.

***

Das ist insgesamt ein verdammt unangenehmes Thema und ich würde lieber wieder etwas zu den vielen schönen Seiten des Landes schreiben. Aber ignorieren kann ich die Zündelei von Jacinda Ardern & Co auch nicht. Was diese Leute da im Moment anstellen folgt genau der Eskalationsstrategie eines Brenton Tarrant. Wir dürfen Terrorismus und Dummheit nicht siegen lassen.

 

12 Antworten auf Opinion: Kiwis als Schafe

  1. Mike sagt:

    Hallo Peter,
    vielen Dank für den sehr informativen Artikel.
    Meine Frau und ich spielen mit dem Gedanken Deutschland zu verlassen. Bisher ist Neuseeland sehr weit oben auf der Liste der möglichen Zielländer. Aus diesem Grund sind wir für objektive Informationen besonders dankbar. Lässt sich derzeit schon abschätzen wie wahrscheinlich eine Wiederwahl der Regierung Ardern 2020 ist? Kann man hoffen, dass eine komplette Abkehr von der aktuellen Flüchtlingspolitik, Identitätspolitik und Einschränkung der Meinungsfreiheit erfolgt? Oder wird Neuseeland dem selbstzerstörerischen Weg Deutschlands folgen? Gibt es mehrheitsfähige Parteien in Neuseeland, die den aktuellen politischen Weg ablehnen? Meine Frau und ich möchten nur ungern vom Regen in die Traufe auswandern.

    • Peter sagt:

      Hi Mike

      Hier ist ein aktuelle Meinungsumfrage: https://www.colmarbrunton.co.nz/news/political-polls/

      Die sieht leider nicht besonders vielversprechend aus. In Neuseeland wird Gott sei Dank alle 3 Jahre gewählt, also ist die nächste Wahl in den kommenden 12 oder 16 Monaten fällig (sie kann als „snap election“ auch früher angesetzt werden, wenn Ardern meint, dass sie gute Erfolgschances hat und ein wenig mehr Zeit vergangen ist, so dass sie nicht sooo offensichtlich politischen Nutzen aus dem Anschlag zieht). Bis dahin kann sich der Wind noch drehen, wenn genügend Wähler ein ungutes Gefühl aufbauen, dass der Opportunismus und die Schleimerei der Premierministerin doch zu weit gegangen sind.

      Im Moment ist das aber noch nicht abzusehen. Im Gegenteil, es wird derzeit sogar über neuseeländische Konvertiten berichtet, die sozusagen aus Schuld und Sühne zum Islam übertreten.

      NZ First ist sowas wie das neuseeländische Äquivalent der AfD und ist in Koalition mit Arderns Labor Party. Aber deren Anhänger scheinen maßlos enttäuscht über die vielen gebrochenen Wahlversprechen von NZ First, zum Beispiel eben keine Einschränkung des zahlenmäßig sehr hohen Einwanderungsniveaus. Im Moment wäre diese Partei nach der nächsten Wahl nicht mehr im Parlament vertreten. Labour und Grüne profitieren von der Stimmung im Land post-Christchurch und National (sowas wie die neuseeländische CDU) unterscheidet sich kaum von Labor, jedenfalls nicht was Einwanderung und „Flüchtlinge“ betrifft. Im Gegenteil, National steht für mehr Einwanderung, um die Immobilienpreise im aufgeblähten Zustand zu halten und auch für eine Ausweitung des chinesischen Einflusses in Neuseeland.

      Ich wäre froh, wenn ich Positiveres zu berichten hätte. Euch würde ich momentan raten abzuwarten. Die Wahl in Australien (in ein paar Tagen), die mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit die politischen Irren an die Macht spülen wird, spielt auch eine Rolle für die Gesamtwetterlage.

      Having said that … klar im Moment ist es hier noch besser als in Deutschland. In 5 Jahren wird es das sicher auch noch sein. Aber wenn Euer Zeithorizont 10 oder 20 Jahre sind, dann ist die Prognose echt schwer. Ich kenne Deutsche, die hier vor 20 Jahren studiert haben und nun bei einem Besuch das Land nicht wiedererkennen und bitter enttäuscht sind … tja.

      @Tim: falls Du das liest, kannst Du vielleicht auch eine Meinung abgeben. Appreciated!

      Gruß,
      Peter

      • Mike sagt:

        Hallo Peter,
        vielen Dank für die aufschlussreiche und ausführliche Antwort. Das hört sich für NZ ziemlich negativ an, insbesondere wenn die Flüchtlinge oder Migranten aus den selben Herkunftsländern kommen wie hier in Deutschland. In der Mehrzahl bildungsfern und überrepräsentiert in der Kriminalstatistik. Gibt es da einen Unterschied in NZ? Gelegentlich habe ich von hochqualifizierten Migranten aus Asien gelesen, die nach NZ migrieren. Wie ist die Qualifikation der Migranten und Flüchtlinge für die Wirtschaft in NZ einzuschätzen. Hier in Deutschland ist es häufig eine Einwanderung in die Sozialsysteme, wobei ich von jährlichen Kosten von ca. 50 Mrd EUR für die Staatskasse gelesen habe. Meiner Meinung nach werden die deutschen Sozialsysteme das nicht mehr lange aushalten, zumal die Migration anhält. Wie ist die Situation in NZ, gibt es dort auch eine umfangreiche Versorgung der Migranten durch den Staat? Gibt es eine Sogwirkung durch ein umfangreiches Sozialsystem? Wie wahrscheinlich ist die Gründung/Erstarkung einer neuen NZ-First-Partei, welche die politische Einheitsmeinung der übrigen Parteien herausfordert? D.h. Wie ist die Stimmung der Bevölkerung in Bezug auf die zunehmende Migration einzuschätzen? Im Moment kommen für meine Frau und mich nur 2 Länder für eine Auswanderung in Frage, NZ und Argentinien (meine Frau ist Argentinierin). Die wirtschaftliche Lage in Argentinien ist derzeit allerdings sehr angespannt.

        • Peter sagt:

          Hi Mike

          Da Neuseeland über den Seeweg schwer zu erreichen ist und auch nicht jeder einfach ohne Visum in den Flieger nach Neuseeland steigen kann, gibt es momentan nur wenig illegale Migration nach Neuseeland. Das Gros sind „overstayer“, die nach Ablauf eines temporären Visums einfach nicht ausreisen. Zahlenmäßig ist das ein winziger Bruchteil der illegalen Migration, die Deutschland im Moment willkommen heißt. Zu den regulären Migranten nach Neuseeland gibt es massig genaue Statistiken. China steht ganz oben, Indien ist auch vorn dabei und immer noch Großbritannien (obwohl sich darunter auch viele Asiaten befinden dürften). Theoretisch sollten die meisten entweder Familienverbindungen nach Neuseeland haben, oder über irgendwelche beruflichen Qualifikationen reinkommen – in der Praxis sind diese Qualifikationen aber oft „fake“. Ganz so eine problematische Klientel wie sie Deutschland anzieht ist das aber nicht. Nichtsdestotrotz wundern sich viele europäische Besucher, wie stark viele Bezirke in Auckland und anderen Städten inwischen asiatisch, indisch, muslimisch usw. geprägt sind.

          Die Sozialsysteme in Neuseeland halten m.E. im Moment noch ganz gut, und Migranten bekommen im Gegensatz zu Deutschland auch keine Privilegien oder bevorzugte Behandlung. Die größten sozielen Probleme haben sowieso Leute, die sich als Maori oder Pacific Islanders identifizieren … Drogen, Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Schwangerschaften im Teenageralter usw.

          Also perfekt ist das hier keineswegs, aber auch nicht so völlig unvernünftig und in Anarchie versinkend wie in Deutschland. Lies einfach Mal noch andere Artikel in diesem Blog um Dir ein Bild zu machen.

          Die Zukunft von NZ First muss man skeptisch sehen und nach dem Anschlag von Christchurch ist das Klima für Parteien außerhalb des Mainstreams erst einmal vergiftet.

          Von Argentinien habe ich keine Ahnung, aber jeder weiß natürlich, dass das Land immer wieder Pleite ist und wohl über kein funktionierendes Staatswesen verfügt. Ich hatte hier Mal eine Leserin aus Paraguay (oder Uruguay), die dort ganz zufrieden war. Und was ist mit Australien?

          Ein Risiko ist Auswanderung immer. Eine perfekte Vorab-Einschätzung ist wahrscheinlich nicht realisierbar.

          Gruß,
          Peter

      • Tim sagt:

        Hi Mike & Peter,

        ich kann nur aus meiner Perspektive sprechen und kenne die ganzen Statistiken zu Einwanderung und Kriminalitaet etc nicht – aber Peter, der Experte in diesen Dingen, hat das ja schon ziemlich ausfuehrlich beantwortet.
        Was ich in NZ in meinem privaten und beruflichen Umfeld wahrnehme, ist dass die Menschen auf jeden Fall kontroverser ueber diese Dinge diskutieren, als ich das in Deutschland in den letzten 20 Jahren erlebt haette. Den progressiv-identitaeren Shift erlebe ich vor allem als von der Politik und Corporate Business gefordert und gefoerdert. Die Firma fuer die ich arbeite, schreibt sich diversity und dergleichen buzzwords hoch auf die Fahne. In der Realitaet macht sich aber jeder Angestellte dort ueber diese Bestrebungen lustig.
        Meiner Wahrnehmung nach ist NZ stark konservativ gepraegt – ich lebe in Waikato, was zu grossem Teil von Kuh und Pferdebauern gepraegt ist. Dieses Klientel hat mit dem Identitaetskram uebrhaupt nix zu tun. Die sind fuer mein Dafuerhalten auch schon fast zu konservativ und die ganze Landschaft ist stark von den Einstellungen der Babyboomer Generation gepraegt, welche ich in Teilen als zu egoistisch und ruecksichtslos beschreiben wuerde. Was wiederum besser ist, als diese selbstverachtende Buecklingshaltung der Deutschen.
        Dieses ganze Links-Progressive findet man kaum ausserhalb der grossen Staedte. Und von denen gibt es ja nicht viele.

        Ich erlebe die Diskussionskultur als offener und es findet viel weniger Selbstzensur statt. Ich kann munter mit meinen Kollegen libartaere Ideen oder genetisch bedingte Kulturunterschiede diskutieren, ohne einer Meinung sein zu muessen, ohne Gutheit (virtue) signalisieren zu muessen und ohne staendig auf Eierschalen zu laufen. Will sagen, dass Klima ist bei weitem nicht so vergiftet wie in Deutschland und wahrscheinlich anderswo.

        Der Identitaere Linksruck, mit gepraegt und gefoerdert durch die Ardern Regierung, beunruhigt mich zwar, ich bleibe aber vorerst optimistisch. Ich glaube, der common sense ist in NZ noch staerker vorhanden und laesst sich nicht so leicht einlullen, wie das bei den Deutschen der Fall ist. Kiwis haben auch nicht diese kollektiven Schuldgefuehle in deutscher Groessenordnung, ich glaube das erklaert viel. Deutschland ist immer noch bestimmt durch die 3. Reich Aufarbeitung und oeffnet in dessen Zuegen dem naechsten Faschismus von links ind islamisch gerade Tuer und Tor. Das sehe ich in NZ so nicht kommen.

        Ansonsten ist hier nicht alles gut (vor allem Wurst, Kaese und Brot nicht :p), aber vieles besser. NZ ist gepraegt von einer can-do, DIY Mentalitaet, Papier bedeuted hier weniger (weniger Buerokratie, weniger Titel-Fixiertheit) und man kann sich definitiv durch gute Arbeit hocharbeiten, auch wenn die Qualifkation erstmal nicht direkt passt. Der Lebensstandard ist hoch, aber wohl leicht niedriger als in D. Was die Qualitaet von vielen Produkten angeht, Haeuser, Strassen, aber auch was Dinge kosten. Vieles ist hier einfach etwas teurer und schwerer zu bekommen, da es (noch) kein Ikea gibt und kein Amazon. Vielleicht ist das aber auch das spezielle an NZ. Je nach Tagesform finde ich das entweder liebenswert oder frustrierend…

        Die Menschen sind offener und netter. Durch die Bank. Auf der Strasse, auf Arbeit, im Supermarkt: alle sind in Magnituden freundlicher, als ich das aus allen Regionen Deutchlands kenne. Mancheiner mag das oberflaechlich finden, ich persoenlich finde, es macht das leben leichter und angenehmer – wenn alle sich ein bisschen zusammenreissen und ihre schlechte Laune nicht staendig an Unbeteiligten rauslassen.

        Ich weiss nicht, ob du, Mike, Kinder hast: Ich kann zum Schulsystem noch noch nicht viel sagen, kann aber sagen, dass der (public) Kindergarten, in dem unsere Kleinen sind, einfach wunderbar und herzlich ist. Meine Frau hat in D einige Zeit in der fruehen Kindererziehung gearbeitet und war geschockt wie rau und militaerisch das da zuging. Der Kindergarten hier ist voller Waerme und unsere Jungs entwickeln sich ganz wunderbar.

        Das ist alles sehr anekdotisch, klar, aber vielleicht hilft das dir bei Eurer Entscheidungsfindung. Ich rate allen meinen deutschen Freunden, die die Entwicklung in D kritsich sehen, so schnell es geht auszuwandern. Ich bin fest davon ueberzeugt, dass der grosse Knall erst noch kommt. Das Land wird gerade in einem Tempo runtergewirtschaftet, dass es Dekaden dauern wird, das wieder aufzubauen. Dazu ist mir mein Leben zu kostbar und kurz, als es mir von dieser parasitaeren Politiker-Linken-Kuenstler-Gutmenschen Kaste versauen und zur Hoelle machen zu lassen.
        Ich lebe hier in NZ seit fast 4 Jahren und habe es, manche Details (siehe „Frust“ oben) nicht bereut und habe keinerlei Ambitionen, in den naechsten Jahren nach D zurueckzukehren.

        Cheers!

        • Peter sagt:

          Hi Tim / Mike

          Aussagekräftiger Kommentar von Tim!

          @Mike: dann schaut zu, dass ihr nach Neuseeland auswandert, aber besser in Richtung Tim aufs flache Land und nicht in meinen Großstadtsumpf 🙂 … denn in Summe hat Tim Recht, dass das Leben zu kurz ist um alles exakt durchzuplanen und alle Eventualitäten durchzudeklinieren.

          Wenn Euch Neuseeland sympathisch ist, dann wartet (ich nehme meine Aussage zurück) nicht, sondern kommt. Wir können hier Leute, die geradeaus denken können und Freiheit zu schätzen wissen gut gebrauchen.

          Cheers, Peter

          • Tim sagt:

            That’s the spirit, Peter!

            cheers

          • Mike sagt:

            Moin Moin Peter und Tim,
            noch einmal vielen Dank für eure Antworten, das hilft uns wirklich sehr bei der Entscheidung. Es ist erschreckend wie ähnlich unsere Meinungen zu der Situation in Deutschland sind, und wie offen ihr darüber schreibt. Ähnliche Diskussionen mit meinen Kollegen sind undenkbar, da man vermutlich schnell in einer bestimmten Schublade landen würde. Die vorherrschende Selbstzensur, Meinungsdiktatur und Kollektivschuld sind für meine Frau und mich wichtige Gründe für unseren Auswanderungswunsch. Unser Plan ist es zeitnah ein Kind zu bekommen, und die anschließende Elternzeit für die Auswanderungsplanung und -vorbereitung zu nutzen. Für mich bedeutet dies in erster Linie meinen kleinen Dorfladen abzuwickeln, mein Studium abzuschließen und eine gemeinsame Reise durch Neuseeland zu machen. Das Alles in der Hoffnung, dass der Knall in Deutschland noch 1-2 Jahre in der Zukunft liegt. Bisher haben wir uns als mögliche Auswanderungsländer bereits Kanada, Uruguay, Argentinien, Thailand und Ungarn persönlich angesehen, wurden jedoch nicht vollständig überzeugt. Der Favorit ist Neuseeland. Aus irgendeinem Grund (an den ich mich nicht mehr erinnern kann) ist uns dabei die Stadt Gisborne ins Auge gesprungen. Wir sind jedoch ziemlich offen, solange das Wetter gut und die Menschen freundlich und frei sind. Wir haben erste Berichte gehört, dass die Immobilienpreise in Australien und Neuseeland zu fallen beginnen. Wie ist die Immobiliensituation aktuell einzuschätzen? Doch bevor ich anfange zu nerven und bereits beantwortete Fragen stelle, werde ich erst einmal die übrigen Artikel auf der NZ2Go-Seite lesen.
            Vielen Dank für die vielen Einblicke und schöne Grüße, Mike

  2. Mavin sagt:

    https://www.stuff.co.nz/national/politics/96339415/the-deeply-private-life-of-winston-peters

    nachdem ich das gelesen habe glaube ich auch der will wirklich nur Geld verdienen um seinen teuren Lifestyle zu halten….

    noch schlimmer als Sigmar Gabriel….

  3. Tim sagt:

    Lieber Peter,

    ich bin leider genau so entsetzt wie du. Entsetzt und wohl auch enttaeuscht. Dieses Land, und vor allem dessen Regierung und allem was dranhaengt, ist nicht stark und wehrhaft genug um eine angemessene Reaktion zu zeigen.
    Die ganze Nummer mit dem Kopftuch ist nur noch elend, diese Art der Anbiederung an eine Religion von derart fragwuerdigem Charakter ist mir nur noch zuwider.
    Wie du eben richtig bemerktest, man kann auch trauern,ohne seine Wuerde am Eingang abzugeben.
    Die Nummer mit Peterson – finde ich nur nich krass, um nicht zu sagen, erschreckend. Heute im NZ Herald war ein Artikel, in dem sich folgender Absatz fand:

    The accused gunman appears to have held dear a kind of Nordic, Aryan ideal. His posts are full of blonde-haired women and children, and strong-looking men, often on horseback. At first – like much of the manifesto and the message boards it’s aimed it – the imagery seems a joke. But Ben Elley, who is completing a PhD on the alt-right and online radicalisation, says some people truly believe in it.

    „They idolise that Nordic stuff, it’s a cult of history, like ancestor worship. In the same way some people treat 1950s America as an ideal, they like vikings, and Ancient Rome, societies that were powerful and imperialistic,“ says Elley.

    A senior researcher at Independent Research Solutions, Elley says strength is at the centre of this belief system, and typically that’s masculine strength.

    In seeking to achieve that ideal, it also pushes a strong self-improvement component – the type of values system right-wing celebrity pop psychologist Jordan Peterson advocates – eating well, exercising, keeping tidy. The accused gunman, for example, was noted for his cleanliness by his landlords. He was fastidious about the gym.

    https://www.nzherald.co.nz/nz/news/article.cfm?c_id=1&objectid=12215540

    Dieser versuchte Rufmord laesst mich fassungslos zureuck. Man darf von dem Mann halten was man will, aber er hat sich zeitlebens mit der Erforschung der Psychologie der grossen Massenmorde des 20. Jhdts befasst – und hat eine dementsprechend klare Message was Terror und dergleichen angeht, egal ob von rechts, links, unten oder oben. Das ist einfach perfide – was ist das fuer ein Pack, dass so eine Vernichtung einer Person durch guilt by association fuer legitim befindet??

    Ein guter Freund aus meiner Heimat, zuletzt NRW, hat geraten, dass Jacinda sicjh doch mal bitte in Duisburg oder Essen umschauen solle, wenn sie so scharf auf Moslems ist. Da ist es mit dem modischen Kopftuch naemlich nicht mehr genug, da muss schon was zuechtigeres her.

    Ich weiss auch nicht, dieses ganze Thema ist einfach nur deprimierend und Houellebecq hat sich wahrscheinlich tatsaechlich prophetisch betaetigt, mit seiner Unterwerfung.

    Bin gespannt wie das weitergeht, bei mir herrscht erst mal Frust

    Tim

    PS: wenn man dann das aus D liest, dann kann man doch wieder froh sein, in NZ zu sein – wie die hart abgepresste Steuermehreinnahmen dem dysfunktionalen „Sozial“system in den Rachen werfen, anstatt es in Bildung, Infrastruktur, Forschung zu investieren, gar zurueck zu geben – das sucht schon seines gleichen. Die Deutschen sind schon die perfekten Sheople.

    https://www.welt.de/wirtschaft/article190734361/Haushalt-Steuerplus-fliesst-in-Soziales-kaum-in-Bildung.html

  4. Mavin sagt:

    Hallo Peter,

    was ist mit Pöbel Winston los?? Der hatte es damals sogar in alle Deutschen Medien geschafft, als „rassistischer Pöbler“ der jetzt mit einer Sozialdemokratin regieren will! Winston Peters war doch immer für einen rassistischen Spruch gegen Inder und Chinesen gut! Auch Maori und Islanders haben was abbekommen! Und jetzt muss ich lesen dass dieser Mann sich für ein WaffenVERBOT zusammen mit der Ardern ausspricht?? Peters fliegt in die Türkei um mit Erdogan zu reden??? Ein Winston Peters würde doch lieber in NZ bleiben und paar Beleidigungen gegen Türken raushauen! WAS ist los mit ihm und seiner Partei????
    Ich bin gegen Rassismus und entsprechende Sprüche, aber einer wie Erdogan versteht nur Beleidigungen und Drohungen! Was er macht, Bilder vom Massaker auf seinen Wahlkampfveranstaltungen zu zeigen und dort gegen Christen zu hetzen ist im Grunde eine Kriegserklärung!Vor Donald Trump hingegen hat Erdogan Angst, gerade weil Trump ihm harte Ansagen und Drohungen gemacht hat! Gerüchte sagen er drohte ihm mit NATO Ausschluss und Support der PKK und allen die gegen ihn sind….

    • Peter sagt:

      Winston Peters ist wahltechnisch erledigt. 0 Abgeordnete 2020. Ist ihm a er egal solange er umsonst in Urlaub fahren kann und auch noch ein dickes Gehalt einstreicht. Der Typ hat wirklich ALLE an der Nase herumgeführt und mich auch. Bestätigt leider sämtliche Vorurteile die einige gehen seinen Stamm haben.

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