Opinion: Kiwis als Schafe

Gut eine Woche nach dem Massaker in der Al-Noor Moschee am Hagley Park in Christchurch (an dem ich übrigens lange Zeit selbst gelebt habe) wurden meine Befürchtungen zur Instrumentalisierung des Anschlags durch den neuseeländischen Mainstream noch übertroffen.

Vertreter der Politik wie Virtue-Signalling Premierministerin Jacinda Ardern oder die grüne Dont-Waste-a-Crisis Abgeordnete Golriz Ghahraman sind eifrig dabei die Toten von Christchurch in politisches Kapital zu verwandeln und haben es in nur wenigen Tagen geschafft die liberalen Grundpfeiler unserer Gesellschaft in Frage zu stellen.

Spiel mit dem Feuer der Kollektivschuld

Anders als bei islamisch motivierten Gewalttaten ist plötzlich keine Rede mehr davon den Hass der Terroristen durch Liebe und Vergebung besiegen zu wollen, sich nicht zu Generalaburteilungen ganzer gesellschaftlicher Gruppen hinreißen zu lassen und einfach so weiterzuleben wie immer, um den Terroristen ihren Triumph zu verweigern.

Nach Terrorangriffen mit islamischem Hintergrund ist es unter westlichen Politikern inzwischen üblich geworden sich demonstrativ mit Vertretern islamischer Gemeinden zu zeigen, um Vorverurteilungen vorzubeugen und zum Ausdruck zu bringen, dass die überwiegende Mehrzahl der Muslime friedlich in unserer Mitte lebt.

Westliche Intellektuelle theoretisieren in anderen Umständen auch gerne über eine versagende Gesellschaft die die Terroristen zu solchen Untaten geradezu provoziert hätte.

All diese Appeasement-Rituale sind im Fall Christchurch offenbar in ihr Gegenteil verkehrt worden.

Weiterleben wie immer, sonst haben die Terroristen gewonnen

Eine unfähige Regierung, die sich seit ihrer Wahl substantieller Politik weitgehend verweigert und politische Entscheidungen in eine Unzahl von Beratergremien delegiert hat, verabschiedet plötzlich innerhalb von Tagen ein Dekret, das halbautomatische Waffen für illegal erklärt. Und das obwohl Brenton Tarrant seine Waffen auf eine Weise manipuliert hatte, die bereits illegal ist.

Jacinda Ardern macht es vor und unzählige Neuseeländerinnen, die sonst so viel auf ihre Emanzipation halten, äffen es gedankenlos nach und ziehen sich das Kopftuch, also das hochumstrittene Symbol der Unterdrückung der Frau im Islam über.

So sieht es also in Neuseeland aus, wenn man sich von einem Terrorangriff den Lebenstil nicht streitig machen lassen will.

Nur am Rande: weiß jemand von einer Solidaritätsbekundung muslimischer Frauen mit nicht-muslimischen Opfern eines Terroranschlags, bei dem für ein paar Minuten die Kopftücher abgenommen wurden?

Denunziation als neuer Kiwi Way of Life

Gut, „dobbing in your mates“ also über andere petzen, hat irgendwo – und mehr als anderswo – schon immer zur dunkleren Seite der neuseeländischen Psyche gehört. Allerdings war man bisher nicht unbedingt stolz darauf.

Seit dem 15. März ist das nun anders. Mutmaßliche „hate speech“ in sozialen Medien wird nun vielfach der Polizei, der NGO Netsafe und sogar Arbeitgebern gemeldet, die Polizei bzw. Staatsanwaltschaft leitet fleißig Ermittlungsverfahren ein und Politik und Medien jubeln.

Es kursieren auch schon schwarze Listen mit unbequemen Zeitungskommentatoren wie Mike Hosking, der (bisher) regelmäßig für den NZ Herald schreibt und dort zwar ab und an Klartext redet, mir aber eher als Vertreter der Interessen chinesischer Immobilieninvestoren denn als anti-islamischer Hassschreiber aufgefallen ist. Mike Hosking als Wegbereiter des Terrors?  Lächerlich, wenn es nicht so dumm und gefährlich wäre.

Islamkritik verboten

Womit wir zu Whitcoulls kämen, einem großen neuseeländischen Buchhändler, der moderne Bücherverbrennung praktiziert, indem die Bücher des kanadischen Psychologen und Schriftstellers Jordan Peterson aus dem Sortiment genommen werden. Meines Wissens sind Petersons Ansichten zum Islam bestenfalls milde islamkritisch. Aber im ganz neuen Neuseeland östrogengesteuerter Irrationalität sind konservative Ansichten zum Islam offenbar schon terrorverdächtig.

Was die Al-Noor Moschee selbst angeht ist es erstaunlich, dass Anzeichen für Verbindungen zu al-Quaida in all dem hyperaktiven Geschnatter totgeschwiegen werden. Mit der Moschee standen laut großer Mainstream Online Zeitung stuff.co.nz mindestens zwei radikalisierte australische (!) Konvertiten in enger Verbindung, eventuell mehr. Auch soll dort ein bekannter Hassprediger aus Indonesien gesprochen haben. Nur in einem Klima der Verfemung jeglicher Vorbehalte gegenüber dem Islam können diese Dinge plötzlich unwichtig werden.

Schlimmer als in Deutschland?

Hier bei NZ2Go legen wir seit bald einem Jahrzehnt viel Wert darauf ein Gegengewicht zu den vielen Rattenfängern aufzubauen, die in anderen deutschsprachigen Neuseelandseiten den Mythos Neuseeland skrupellos zu Geld machen.

Auch die Themen Terrorismus und Islam in Neuseeland haben wir bereits 2012 wohl als einzige aufgegriffen und klar gestellt, dass das offizielle Neuseeland am westlichen Islamisierungstrend teilhaben will und dass auch in Neuseeland der Islam die am kräftigsten expandierende Religion ist. Nach dem 15. März und der aggressiven Reaktion der neuseeländischen Politik und Medien darf man davon ausgehen, dass der Islam auch in Zukunft in Neuseeland bestens gedeihen wird. Niemand mehr sollte sich der Illusion hingeben, dass eine Auswanderung nach Neuseeland eine Flucht vor den Problemen der westlichen Welt bedeutet.

Tatsache bleibt auch, dass Neuseeland kaum politische und wenig wirtschaftliche Substanz hat und nur durch seine große Entfernung von den Krisenherden der Welt Schlimmeres – also eine Selbstaufgabe nach deutschem Vorbild – verhindert wird. Die übereifrige Selbstgeißelung und das haltlose Suhlen in Kollektivschuld der letzten Tage zeigen überdies über wie wenig Selbstrespekt oder gar Stolz tragende Elemente der neuseeländischen Gesellschaft verfügen. Man kann auch in Würde trauern, ohne die Grundfesten unserer liberalen Gesellschaft zur Disposition zu stellen.

Was hoffentlich nicht passieren wird

Nämlich:

  • Eine Wiederwahl der Regierung Ardern 2020, weil Jacinda mit ihrer Symbol- und Spaltpolitik zum Darling der internationalen Relotier geworden ist und eine nicht-Wahl ja fast schon sowas wie einem Terrorangriff auf Friede, Freude und Eierkuchen gleichkäme.
  • Eine Ausweitung der Aufnahme von Flüchtlingen und eine noch unverhältnismäßigere Bervorzugung muslimischer Flüchtlinge. In einer Welt in der das Christentum der schärfsten Verfolgung ausgesetzt ist würde eine solche Politik von Ideologie, nicht Menschlichkeit zeugen. Im übrigen verkraftet Neuseeland keine weitere Armutszuwanderung.
  • Da Neuseeland schon über spezielle – in meinen Augen tendenziell rassistische – Einwanderungsprogramme für „pacific islanders“ verfügt, bedarf es nicht viel Fantasie sich ein spezielles Wiedergutmachungsprogramm zur Einwanderung von Muslimen vorzustellen. Diese Maßnahme wäre extrem, aber auch konsistent mit dem bisherigen Auftreten Jacinda Arderns.
  • Islamkritik und Meinungsfreiheit im allgemeinen wird noch weiter unterbunden und wenn auch nur durch Ausdehnung der bestehenden Gesetze gegen Hassrede auf legitime Islamkritik.
  • Identitätspolitik, also die Spaltung der Gesellschaft in Gruppen, die sich nicht einfach als Neuseeländer, sondern als Māori, Frauen, LGBTQ, Moslems, usw. verstehen wird weiter forciert und damit Konflikte in der Gesellschaft angeheizt – die dann in einem Teufelskreislauf als Grund für weitere staatliche Repression herhalten.

***

Das ist insgesamt ein verdammt unangenehmes Thema und ich würde lieber wieder etwas zu den vielen schönen Seiten des Landes schreiben. Aber ignorieren kann ich die Zündelei von Jacinda Ardern & Co auch nicht. Was diese Leute da im Moment anstellen folgt genau der Eskalationsstrategie eines Brenton Tarrant. Wir dürfen Terrorismus und Dummheit nicht siegen lassen.

 

4 Antworten auf Opinion: Kiwis als Schafe

  1. Mavin sagt:

    https://www.stuff.co.nz/national/politics/96339415/the-deeply-private-life-of-winston-peters

    nachdem ich das gelesen habe glaube ich auch der will wirklich nur Geld verdienen um seinen teuren Lifestyle zu halten….

    noch schlimmer als Sigmar Gabriel….

  2. Tim Seuchter sagt:

    Lieber Peter,

    ich bin leider genau so entsetzt wie du. Entsetzt und wohl auch enttaeuscht. Dieses Land, und vor allem dessen Regierung und allem was dranhaengt, ist nicht stark und wehrhaft genug um eine angemessene Reaktion zu zeigen.
    Die ganze Nummer mit dem Kopftuch ist nur noch elend, diese Art der Anbiederung an eine Religion von derart fragwuerdigem Charakter ist mir nur noch zuwider.
    Wie du eben richtig bemerktest, man kann auch trauern,ohne seine Wuerde am Eingang abzugeben.
    Die Nummer mit Peterson – finde ich nur nich krass, um nicht zu sagen, erschreckend. Heute im NZ Herald war ein Artikel, in dem sich folgender Absatz fand:

    The accused gunman appears to have held dear a kind of Nordic, Aryan ideal. His posts are full of blonde-haired women and children, and strong-looking men, often on horseback. At first – like much of the manifesto and the message boards it’s aimed it – the imagery seems a joke. But Ben Elley, who is completing a PhD on the alt-right and online radicalisation, says some people truly believe in it.

    „They idolise that Nordic stuff, it’s a cult of history, like ancestor worship. In the same way some people treat 1950s America as an ideal, they like vikings, and Ancient Rome, societies that were powerful and imperialistic,“ says Elley.

    A senior researcher at Independent Research Solutions, Elley says strength is at the centre of this belief system, and typically that’s masculine strength.

    In seeking to achieve that ideal, it also pushes a strong self-improvement component – the type of values system right-wing celebrity pop psychologist Jordan Peterson advocates – eating well, exercising, keeping tidy. The accused gunman, for example, was noted for his cleanliness by his landlords. He was fastidious about the gym.

    https://www.nzherald.co.nz/nz/news/article.cfm?c_id=1&objectid=12215540

    Dieser versuchte Rufmord laesst mich fassungslos zureuck. Man darf von dem Mann halten was man will, aber er hat sich zeitlebens mit der Erforschung der Psychologie der grossen Massenmorde des 20. Jhdts befasst – und hat eine dementsprechend klare Message was Terror und dergleichen angeht, egal ob von rechts, links, unten oder oben. Das ist einfach perfide – was ist das fuer ein Pack, dass so eine Vernichtung einer Person durch guilt by association fuer legitim befindet??

    Ein guter Freund aus meiner Heimat, zuletzt NRW, hat geraten, dass Jacinda sicjh doch mal bitte in Duisburg oder Essen umschauen solle, wenn sie so scharf auf Moslems ist. Da ist es mit dem modischen Kopftuch naemlich nicht mehr genug, da muss schon was zuechtigeres her.

    Ich weiss auch nicht, dieses ganze Thema ist einfach nur deprimierend und Houellebecq hat sich wahrscheinlich tatsaechlich prophetisch betaetigt, mit seiner Unterwerfung.

    Bin gespannt wie das weitergeht, bei mir herrscht erst mal Frust

    Tim

    PS: wenn man dann das aus D liest, dann kann man doch wieder froh sein, in NZ zu sein – wie die hart abgepresste Steuermehreinnahmen dem dysfunktionalen „Sozial“system in den Rachen werfen, anstatt es in Bildung, Infrastruktur, Forschung zu investieren, gar zurueck zu geben – das sucht schon seines gleichen. Die Deutschen sind schon die perfekten Sheople.

    https://www.welt.de/wirtschaft/article190734361/Haushalt-Steuerplus-fliesst-in-Soziales-kaum-in-Bildung.html

  3. Mavin sagt:

    Hallo Peter,

    was ist mit Pöbel Winston los?? Der hatte es damals sogar in alle Deutschen Medien geschafft, als „rassistischer Pöbler“ der jetzt mit einer Sozialdemokratin regieren will! Winston Peters war doch immer für einen rassistischen Spruch gegen Inder und Chinesen gut! Auch Maori und Islanders haben was abbekommen! Und jetzt muss ich lesen dass dieser Mann sich für ein WaffenVERBOT zusammen mit der Ardern ausspricht?? Peters fliegt in die Türkei um mit Erdogan zu reden??? Ein Winston Peters würde doch lieber in NZ bleiben und paar Beleidigungen gegen Türken raushauen! WAS ist los mit ihm und seiner Partei????
    Ich bin gegen Rassismus und entsprechende Sprüche, aber einer wie Erdogan versteht nur Beleidigungen und Drohungen! Was er macht, Bilder vom Massaker auf seinen Wahlkampfveranstaltungen zu zeigen und dort gegen Christen zu hetzen ist im Grunde eine Kriegserklärung!Vor Donald Trump hingegen hat Erdogan Angst, gerade weil Trump ihm harte Ansagen und Drohungen gemacht hat! Gerüchte sagen er drohte ihm mit NATO Ausschluss und Support der PKK und allen die gegen ihn sind….

    • Peter sagt:

      Winston Peters ist wahltechnisch erledigt. 0 Abgeordnete 2020. Ist ihm a er egal solange er umsonst in Urlaub fahren kann und auch noch ein dickes Gehalt einstreicht. Der Typ hat wirklich ALLE an der Nase herumgeführt und mich auch. Bestätigt leider sämtliche Vorurteile die einige gehen seinen Stamm haben.

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