Opinion: No country for smart men …

… or women, or hermaphrodites …

Wenn Bernard Hickey, der – soweit ich es verstehe – Betreiber von interest.co.nz und regelmäßige Kolumnist beim New Zealand Herald, schon mal Quatsch von sich gibt, dann gleich gewaltigen.

Ich will gar nicht von seinen Schnappsideen anfangen die Waterfront des Hafens von Auckland in eine Art universitäre Gelehrtenrepublik umzubauen, oder Neuseelands großen ökonomischen Sprung vorwärts per Gelddrucken auszulösen. Das erste wird sowieso nie passieren, da kommen bloß wieder Restaurants, Kneipen und vielleicht noch ein Dauerjahrmarkt hin, siehe Wellington, und das zweite … Fed, EZB, BoJ, BoE drucken soviel Geld, um die ganze Welt damit zu überfluten, dass sich die Reserve Bank of New Zealand die Mühe sparen kann. In Auckland gehen übelste Hütten – würde das deutsche Gesundheitsamt sofort dicht machen – wieder für eine schlappe halbe Million über die Theke, dank Immobilienkrediten zu historischem Niedrigstzins, und Asiaten, die ihr Papiergeld schon fast panikartig noch schnell in Rigips-Gold umwandeln möchten. Was soll die RBNZ da noch Geld drucken? Um die Hauspreise weiter zu inflationieren? In ein neues Silicon Valley wird das Geld hier nie angelegt werden …

Egal. Es geht um den Artikel „Ni hao. Huan ying, huan ying„, in dem Bernard über den gewaltigen Anstieg in den Zahlen chinesischer Touristen nach Neuseeland schreibt, und seine ganz eigenen Schlüsse daraus zieht.

Zum Beispiel, dass analog zu den besten Zeiten der nun verarmenden Briten, Amerikaner und Deutschen (deren Beitrag zur neuseeländischen Wirtschaft wird sich seriös prognostiziert bald halbieren!) Schilder und öffentliche Verlautbarungen AUCH auf chinesisch anzubieten seien. Äh, wie bitte? Wann war jemals irgendwas in Neuseeland auf deutsch beschildert? Soviel Entgegenkommen aber auch … rührend.

Dann aber der Knaller: Mandarin soll als dritte offizielle Landessprache (neben Englisch und Maori) eingeführt werden, um den neuen Tourismusgegebenheiten Rechnung zu tragen. So wie halt Deutsch, früher Mal, als die Deutschen noch Neuseeland bereicherten … hahaha.

Das ganze soll dafür sorgen, dass chinesisches Touristengeld endlich in neuseeländische (= ‚weiße‘, Pakeha) Taschen fließt, und nicht wie bisher mehrheitlich in chinesischen Händen bleibt, denn die chinesischen Touris reisen meist mit chinesischen Fluggesellschaften, chinesischen Tourorganisatoren, essen in chinesischen Restaurants, schlafen in Hotels, die von Chinesen betrieben werden und kaufen in chinesischen Souvenirläden ein. So ein Mist …

Hier meine unmaßgebliche Meinung: Eine Überdosis an Kriecherei, Schleimerei und Anbiederung an vermutete chinesische Befindlichkeiten wird Neuseeland auch nicht retten. Wenn, dann sollen Bernard und seine verhätschelte Generation konsequent sein und bei John Key eine Petition einreichen, dass Neuseeland sich der chinesischen Regierung als neue Provinz andienen möge. Vielleicht würden die Chinesen dann ihr Kolonialschmuckstück mit Subventionen füttern, und die Kiwis könnten weiter faulenzen. Nur: so dumm sind die Chinesen nun Mal nicht.

Ein anderer Punkt: was sollen denn die Chinesen auf Tour in Neuseeland überhaupt kaufen, dass dem ordinären nicht-chinesischen Kiwi hilfreich sein könnte? Fast alles ist sowieso Made in China, und ihren eigenen Mist werden die Chinesen wohl kaum zum 10-fachen des Preises in China kaufen wollen. Bleiben noch die üblichen Renner, Schafspelze, Honig … vielleicht noch einen Sack Milchpulver gefällig? Irgendwie fast wieder lustig.

Ich habe mich in einem umstrittenen Artikel :-) schon einmal mit der chinesischen Frage auseinandergesetzt, und laut vermutet, dass (a) die jetzigen Mainstream Kiwis bald an den Rand gedrängt sein werden, (b) die Chinesen wahrscheinlich mehr aus dem Land machen würden, als die jetzigen Verwalter der Inkompetenz. Bernards Artikel kann mich darin nur bestärken.

***

Ganz abgesehen von all den Milchmädchenrechnungen und der offenbaren Planlosigkeit dahinter, finde ich übrigens die Idee dem Chinesischen im Schulunterricht eine stärkere Rolle beizumessen prinzipiell in Ordnung, auch in Deutschland. Die angelsächsische Welt hat abgewirtschaftet, und erhält nur noch durch Gelddrucken die Illusion wirtschaftlicher Dominanz. Die EU äfft es nach, statt neue Wege zu beschreiten. Einige Kommentatoren zu Bernards Artikel haben außerdem – ganz richtig – bemerkt, dass vor 20 Jahren schon mal alle Welt an die unmittelbar bevorstehende globale Machtübernahme durch Japan glaubte, bevor dort die Immobilien- und Aktienblasen platzten und das Land seither vor sich hin siecht. Auch in China brodelt es. Niemand weiß, ob der planwirtschaftliche Frühkapitalismus dort nicht eines Tages implodiert. Wenn Ja, können die Kiwis vielleicht alle Hindi lernen, oder sonst irgendeine Sprache der dann Reichen und Mächtigen … hoffentlich kommen sie mit dem ganzen Sprachstudium den neuesten weltpolitischen Moden hinterher :-)

2 Antworten auf Opinion: No country for smart men …

  1. Werner sagt:

    tja… die Kiwifrucht kommt ja auch ursprünglich aus China 😉

    What goes Around comes Around

  2. Stefan sagt:

    Naja, um Neuseeland wird es in 40 Jahren wohl sowieso nicht gut bestellt sein! Die Umweltkatasstrophen wie Erdbeben, Riesenwellen, Schneestürme usw. werden wohl eher noch zu nehmen und was die Einwohnerzahl, die Technologie und Forschung und vor allem die Rohstoffe angeht, also alles in 40 Jahren zählen wird, da ist Neuseeland weit hinten, kein Vergleich mit Australien und Kanada!!
    Dass Neuseeland nur durch Tourismus und den Verkauf von Milch, Milchpulver und Lammfleisch und Kiwis zu Geld kommt, ist für ein „modernes“ Land wie Neuseeland eigentlich nicht hinnehmbar!

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