SideTrack: Neuseeland, Weltmeister der Immobilienpreisinflation

„Housing“, vor allem in Auckland, ist ein immergrüner Gesprächsstoff in Neuseeland und momentan auch hitziges Diskussionsthema im neuseeländischen Wahlkampf zur Parlamentswahl diesen September.

John Key: Was für ein Problem?

Neuseelands Premierminister John Key (selbst Multimillionär mit Anwesen nicht nur im Aucklander Nobelstadtteil Remuera und dem neuseeländischen Promi-Strandbad Omaha Beach, sondern auch auf Hawaii und in Singapur) konnte sich erst in den letzten Monaten dazu durchringen überhaupt ein Wohnraumproblem in Neuseeland zu erkennen. Denn relativ zu Australien wäre doch alles gut. Was für ein Argument.

Und stimmt es überhaupt? Kürzlich vom Internationalen Währungsfonds (IMF) veröffentlichte Zahlen bringen mehr Klarheit. Die bald jahrzehntelange Gelddruckerei der wichtigen Notenbanken in den USA, der EU, Großbritannien und Japan zeigt die erhoffte Wirkung auf die globale Hauspreisinflation und ertränkt auch Neuseeland in billigem, sprich niedrigstverzinstem, Geld, das die Preise in immer neue Höhen schraubt. Hier ein paar Kennzahlen des IMF:

Prozentuale jährliche Preissteigerung zwischen Q4/2012 und Q4/2013:

IMF Global Housing Watch Q4 2013: globale Immobilienpreise (c) International Monetary Fund

IMF Global Housing Watch Q4 2013: globale Immobilienpreise (c) International Monetary Fund

Immobilienpreise relativ zu Haushaltseinkommen, gemessen am historischen Mittelwert, in Q4/2013:

IMF Global Housing Watch: Immobilienpreise vs Einkommen (c) International Monetary Fund

IMF Global Housing Watch: Immobilienpreise vs Einkommen (c) International Monetary Fund

Immobilienpreise relativ zu Mieten, gemessen am historischen Mittelwert, in Q4/2013:

IMF Global Housing Watch: Immobilienpreise vs Mieten (c) International Monetary Fund

IMF Global Housing Watch: Immobilienpreise vs Mieten (c) International Monetary Fund

Nur bei den Haushaltseinkommen übertrumpft Australien den kleinen Bruder im Moment noch. Alle anderen Metriken weisen Neuseeland als blühende Blasenökonomie aus: kein anderes Land in der IMF Analyse ist so konsistent in führender Hauspreisposition vertreten.

Was tun? Millionär John Key erkennt plötzlich doch ein Problem und redet von Neubauzonen, will also angebotsseitig vorgehen: mehr Häuser sollen niedrigere Preise erzwingen, freilich aber nicht so niedrig, dass die vielen Mum-und-Dad Immobilienspekulanten in Neuseeland, die von der Blase kräftig profitieren, John Key von der Fahne gingen. Die Quadratur des Preises, pardon, Kreises 😉

Übrigens, schaut Euch den Hintergrund an vor dem John Key spricht: der komische Helikopter vor dem Bild der Queen, das völlig zufällige Wort „Victory“ (Sieg) im Zeitungsausschnitt. Süß, süß gestellt …

Die Opposition: Rezepte aus den 1970s mit einem populistischen Schuß Fremdenfeindlichkeit

Labour und Grüne tendieren eher zu nachfrageseitigen Maßnahmen, wie der Einschränkung des Hauskaufs durch ‚Ausländer‘, insbesondere des sagenumwobenen ‚reichen Chinesen‚ – wobei die Definition von Ausländer in der Ära von Globalisierung und Hypermobilität natürlich nicht mehr offensichtlich ist. Ansonsten will Labour auch den sozialen Wohnungsbau forcieren, naja, man hat es schon 1000 Mal gehört.

Die Realität: Billiges Geld der Zentralbanken treibt maßgeblich die Preise

Sicher spielen in Auckland die geringe Neubauaktivität, die hohe Zuwanderung und eingeschränkte Ausweisung von Bauland eine Rolle, ABER man kann nicht abstreiten, dass in den Jahren 2007-12 die Immobilienpreise in Neuseeland trotz allem stagnierten und stellenweise deutlich fielen, einfach weil die Banken im Zuge der globalen Finanz- und Überschuldungskrise vorsichtiger Kredite vergaben bzw. mit faulen Krediten umgehen mussten.

Im Zuge des „bail-out“, der ‚Rettung‘, sämtlicher angeblich systemrelevanter Finanzinstitutionen durch massive Gelddruckerei der Notenbanken, die dem Zweck dient die Macht der globalen politischen und wirtschaftlichen Eliten zu sichern, ist inzwischen wieder so viel Geld im System, dass die Party dort anknüpft, wo sie 2007 kurzfristig unterbrochen wurde: das frisch gedruckte Geld sitzt locker und alle wollen etwas abhaben.

Kein Notenbankoffizieller in Neuseeland würde seine Karriere dadurch beenden, dem Treiben einen echten Riegel vorschieben zu wollen. Doch sogar zaghafte Maßnahmen wie die sogenannten „LVR speed limits„, die die neuseeländische Notenbank letzten Nordherbst einführte, zeigen unmittelbar zügelnde Wirkung auf die Preisentwicklung bei Immobilien. „LVR speed limit“ bedeutet praktisch übrigens, dass nur 10% der Hypothekenkredite, die eine neuseeländische Bank vergibt, an Hauskäufer gehen dürfen, die weniger als 20% des Hauspreises selbst aufbringen können.

Politiker sind natürlich noch vorsichtiger als Notenbanker und reden lieber von Neubaugebieten, ausländischen Spekulanten usw. statt ganz banal Zinsanhebungen von der Zentralbank einzufordern. Denn diese würden zu viele hochverschuldete Hypothekensklaven finanziell an die Wand drücken. Das kostet Wählerstimmen und kann sogar weitläufig die Einsicht beflügeln, dass eine auf Schulden und noch mehr Schulden basierende Wirtschaft auf Dauer nicht funktionieren wird – was unweigerlich zu Verwerfungen in den bestehenden politischen Strukturen führen würde, die keiner will.

Ist Neuseeland trotzdem ein guter Ort für eine Immobilieninvestition?

Das ist ein weites Feld, über das wir schon wiederholt philosophiert haben, siehe ganz unten. Die Zahlen des IMF sprechen natürlich gegen ein Engagement. Sogar Deutschland sieht numerisch besser aus.

Andererseits ist inzwischen die EU zu einem weitgehend rechtsfreien, quasi-sozialistischen Raum mutiert, in dem Privateigentum vor den Griffeln der Institutionen nicht mehr sicher ist. Demografisch ist Europa eine Zeitbombe und politisch ist die Verknöcherung der Strukturen noch tiefgehender als in Neuseeland.

Wer langfristig denkt, kann also dennoch Wert in einer Immobilieninvestition in Neuseeland sehen.

Ob im Moment der ideale Zeitpunkt dafür gegeben ist, bei einem Euro nahe den Rekordtiefstständen gegen den Kiwidollar, bereits hohen Immobilienpreisen in vielen Teilen Neuseelands und anziehenden Preisen nun auch auf dem deutschen Immobilienmarkt, mag man anzweifeln. Andererseits: der Euro wird noch lange Zeit aus politischen Gründen (Reformunfähigkeit Frankreichs und Italiens) von der EZB gedrückt werden, und wer weiß was sich die eingebildete Kaiserin von Europa, die Genossin Merkel, als nächste Geldquelle für ihren Eurowahn einfallen lässt, den deutschen Immobilienbesitzer vielleicht?

Wie man in Neuseeland so schön sagt: „It is anyone’s guess“ …

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