SideTrack: Zwischen Auckland und Wellington Pendeln

Lesedauer: 6 Minuten

Ganz ohne Schnörksel, hier meine Erfahrungszusammenfassung, falls auch jemand anderes öfter Mal zwischen den beiden Polen unterwegs ist.

Per Auto

Eigentlich liegen zwischen den beiden neuseeländischen Metropolen Wellington und Auckland nur etwa 600 km Luftlinie. In Deutschland wäre das mit einer Fahrzeit von sagen wir 5 Stunden getan. In Neuseeland, mit seinen kurvigen, abschüssigen Straßen und strengen bzw. kostspieligen Geschwindigkeitsbeschränkungen ist die Fahrzeit für die etwa 650 km sogar ohne lange Pausen unter 9 Stunden kaum zu schaffen. Bei einem Benzinpreis von etwa 2,10 NZD (1,20 EUR) und einem hypothetischen Verbrauch von 7 l pro 100km in einem PKW wird die Spritrechnung etwa 100 NZD (60 EUR) erreichen. Wenn man einen Leihwagen fährt, muss man dazu noch die tägliche Mietgebühr und eventuell Kilometergeld addieren. Dann ist man auch in den günstigsten Umständen schnell bei 150 NZD und einem praktisch komplett im Auto zugebrachten Tag. Auf den ersten Blick macht das höchstens Sinn, wenn man mindestens zu zweit unterwegs ist – siehe auch unten.

Mit der Bahn

Alternativ kann man auch den Zug nehmen, und zwar alternativlos den bekannten Overlander (www.tranzscenic.co.nz) der täglich (im Winter weniger häufig) zwischen Auckland und Wellington pendelt, Abfahrt etwa um halb acht früh, von beiden Enden. Die realen Preise hängen von den Storno- und anderen Konditionen ab, und fangen bei 79 NZD pro Erwachsenem und Einfachstrecke an. Das ist an sich ein ordentlicher Preis, aber er kommt nicht von ungefähr. Die Fahrt dauert erstaunliche 12 Stunden. 12 Stunden auf einer „narrow gauge“, also Schmalspur die ruckelt wie anno dazumal. Lesen geht noch, am Laptop oder Pad fummeln kann man eher vergessen, auch weil das Mobilfunknetz immer wieder aussetzt, zum Teil über längere Zeit. Immerhin muss man nicht wie beim Autofahren die Straße anstarren, sondern kann die Landschaft genießen – theoretisch. Praktisch läuft es darauf hinaus, dass man erster Hand verifizieren kann, dass es in Neuseeland ernsthaft viele Schafe und Kühe gibt, die glücklich auf entsprechenden Weiden herumtollen. Das ist schon hübsch, über 10 Stunden oder so aber auch monoton. Abwechslung bieten die Viadukte in der Gegend um den Rangitikei-Fluss (hier sind ein paar Fotos, die ich nicht gemacht habe) und die halbwegs naturbelassenen Areale um die Haltestelle ‚National Park‘ mit zeitweilig gutem Blick auf die Schneegiganten des Tongariro National Parks. Bei ‚National Park‘ hält der Zug übrigens eine halbe Stunde, die man für eine begrenzte Erkundung des gleichnamigen Dorfes ‚National Park‘ nutzen kann, oder dazu, vor dem einzigen Cafe am Orte Schlange zu stehen. Die meisten Reisenden bevorzugen Option 2. Zu ‚National Park‘ – Dorf wäre noch zu sagen, dass es anscheinend im wesentlichen als Basislager für Tongariro-Besucher dient. Backpacker-Unterkünfte und Busse aller Art und Größe geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Auf den Bürgersteigen, äh Straßenrändern, wird vor allem auch deutsch gesprochen :-)

Ansonsten ist die Zugfahrt – setzt man die rosa Brille ab – aber auch eine Reise in soziale Abgründe. Zwecks Lärm leben an der Zugstrecke vor allem Randgruppen, besonders Maori in zum Teil erbärmlichen Hütten. Daneben sind eine Vielzahl von Fabrikruinen zu bestaunen – es muss mal Industrie gegeben haben in Neuseeland – und eine interessante Kollektion von Schrottplätzen – fast hätte ich Lust gehabt, einen Bildband über neuseeländische Schrottplätze zu initiieren. Letztlich nicht viel anders als an deutschen Bahnlinien, bis auf die ungewohnt ärmlichen Hütten, die es in Deutschland so nicht gibt. Der Zug selbst hat übrigens schon bessere Tage gesehen. Die Wagons wurden zwar offenbar irgendwann einmal überholt, aber auch das muss schon eine Weile her sein. Zu sauber ist man auch nicht. Die ‚Außenplattform‘ hinter dem Triebwagen ist klein und abgewetzt und man kann nur schwer Fotos schießen u.a auch wegen des ständigen Gewackels, und weil kaum mehr als drei Leute Platz finden. In den Wagons ist der Gang zwischen den Sitzen sehr eng, so dass man nach Möglichkeit einen Sitzplatz unweit der Plattform suchen sollte, wenn man wirklich vor hat, Fotos zu schießen. Apropos, es reicht per Internet zu buchen und zahlen und sich die Buchungsnummer aufzuschreiben. Ausdrucken muss man nichts. Vor Reisebeginn z.B. in Auckland steht dann jemand mit einem kleinen Tisch am Bahnsteig, fragt nach Namen und Buchungsnummer und gibt einem einen Zetteln mit der Wagon- und Platznummer. In Wellington gibt es einen kleinen Schalter, der nicht zu übersehen ist. Typisch neuseeländischer Pragmatismus – ist schon ok so. Man muss aus einem Ticketverkauf auch kein Drama machen. Ach ja, und fast vergessen, die berühmte Spiralentrasse, die sich der Zug unweit National Park hochquält. Ehrlich gesagt, bekommt man außer per Helikopter (nehme ich an) von der Spirale nicht viel mit. Ich habe in Deutschland mal im Fernsehen einen Bericht über den Overlander gesehen, bei dem viel Hype zu der Spirale angefacht wurde. Bitte ignorieren, denn diese Zugfahrt ist im allgemeinen und die Spirale im speziellen echt nichts Weltbewegendes. Man kann die Fahrt einmal machen, aber wird danach kaum Lust auf eine Wiederholung haben. Noch etwas sehr neuseeländisches am Rande: bei National Park treffen sich die Züge von Wellington nach Auckland und von Auckland nach Wellington, und halten kurz um das Personal auszutauschen. Grund: die Leute sollen bis abends wieder zuhause sein, und nicht in einem Hotel auswärts schlafen müssen. Goldig, und auch wieder so herrlich praktisch.

Per Flieger

Gott sei dank für Jetstar! Im Grunde bedienen nur Air New Zealand und Jetstar diese Route, wobei Jetstar fast immer billiger ist als Air NZ. Vergleichen kann man die Preise der beiden an einfachsten per www.webjet.co.nz – dort aber nicht buchen, sondern direkt bei Air NZ oder Jetstar, weil Webjet eine zusätzliche Servicegebühr nimmt, sorry Webjet. Nachteil bei Jetstar – übrigens einem Billigableger von Qantas – ist die fummelige Buchung per Internet. Man kann mit und ohne Gepäck fliegen, mit und ohne Möglichkeit zeitlich umzubuchen usw. Auch wenn man sich entschieden hat so oder so zu reisen, geht es munter weiter mit einer Barrage von Zusatzangeboten, incl. Versicherung, Auto, Hotel, spezielle Sitzplätze, wohltätige Spenden, durch die man sich geduldig zu klicken hat. Trotzdem, die Flüge dauern nicht einmal eine Stunde, und von und zum Flughafen kommt man sowohl in Wellington als auch in Auckland bequem per Flughafenbus. Man bekommt Flüge je nach Beliebtheit der Reisezeit schon ab 59 NZD, oder auch billiger. Flüge um 89 NZD kriegt man relativ häufig. In Summe handelt es sich um die meines Erachtens beste Art, zwischen Welly und Auckland unterwegs zu sein. Übrigens entfällt – komischerweise – beim Sicherheitscheck vor dem Gate die lästige Geschichte mit den Flüssigkeitsbeschränkungen. Nehmt Eure Wasserflaschen also ruhig mit. Ach Ja: www.grabaseat.co.nz verhökert Sonderangebote von Air New Zealand. Wegen der Beliebtheit der Strecke AKL – WLG bzw. WLG – AKL ist die oft nicht dabei, aber dafür andere Strecken innerhalb Neuseelands.

Überlandbus

Intercity und Konkurrenten sind etwa 10 Stunden unterwegs, also fast so lange wie der Zug. Zugegeben, ich bin selbst noch nie mit einem Überlandbus zwischen Wellington und Auckland unterwegs gewesen. Deshalb will ich hier nichts erfinden, sondern nur die einschlägige Seite listen, nämlich www.intercity.co.nz

Ride Sharing

Im Zusammenhang mit den Erwägungen von ganz oben dachte ich mir, es ganz schlau und modern zu machen, und nach „ride sharing“ zu suchen. Denn ich bin doch sicher nicht der Einzige, der die Rennstrecke zwischen Auckland und Wellington bewältigen will. Eine Online Mitfahrzentrale die gibt es auch zum Beispiel bei www.jayride.co.nz aber leider endete die Anstrengung bei mir mit einem Coitus interruptus. Ich pingte ein paar jayrider an, ob ich denn mitfahren dürfe, bekam aber keine Antwort. Ich denke, dass das Konzept momentan noch an der Qualitätssicherung krankt. Die Registrierten werden nicht nach Zuverlässigkeit usw. bewertet (siehe eBay) und ggf. rausgeworfen, und das führt eben dazu, dass die Leute einfach nicht antworten, wenn sie keine Lust haben, oder ihr Angebot nicht streichen, falls Sie es sich anders überlegt haben. Jedenfalls, wenn ein Leser bzw. Leserin gute Erfahrungen mit einer Mitfahrzentrale gemacht haben, dann bitte melden. Naja, die Originalidee der Publikumsbeschimpfung des anderen Peter, Handke, missbrauchen zu wollen, kann ich mir den Appell zur Partizipation fast sparen, denn schreibfaul … aber lassen wir das.

Überführungen für Mietwagenfirmen

Es gibt ja diesen urbanen Mythos, nachdem es Menschen geben soll, die von Frachtdiensten wie TNT ein Kuvert mit hochwichtigen Dokumenten plus Flugticket in die Hand gedrückt bekommen und damit umsonst Flugreisen absolvieren konnten. Ich habe sogar mal herum telefoniert, ob das geht, wobei die Gegenseite von nichts eine Ahnung hatte. Ähnliches wurde mir von Kiwis berichtet, denn es soll die Möglichkeit geben für Autovermietungen Fahrzeuge zwischen Wellington und Auckland zu überführen, für umsonst bzw. gegen Lohn. Nun, wenn hier zufällig jemand herum klickt, der sowas schon mal gemacht hat, bitte Hand heben.

***

Soviel nun zum Thema. In Deutschland gibt es ja seit Neuestem diesen Buscharterdienst, www.deinbus.de, wo über das Internet Leute für eine gewisse Zeit und Strecke zusammenfinden, um einen Bus zu mieten. Prinzipiell könnte und sollte das auch in Neuseeland funktionieren, also tue sich niemand einen Zwang an, falls er oder sie die Geschäftsidee in Neuseeland kopieren möchte. Ich finde sowieso, dass viel zu wenig Deutsche bzw. deutsche Firmen in Neuseeland aktiv sind, dazu aber an anderer Stelle mehr.

***

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>