FactSheet: Forex Forward Contracts – Geld wechseln in stürmischen Zeiten

Die Eurokrise hebt gerade wieder ihr hässliches Haupt:

  • die Griechen haben jetzt offiziell keine Lust mehr ihre Schulden zu begleichen > ‚L’Allemagne paiera‚,
  • Mario Draghi scheint nur noch den Zeitpunkt abzuwarten, wenn die Bundesbank aus dem Direktorium der EZB herausrotiert wird, um die italienischen und französischen Staatsschulden mit gedrucktem Geld zu bedienen > ‚L’Allemagne paiera‘,
  • Angela Merkel gefällt sich in der Rolle der Ukraine-Krise-Eskaliererin und setzt die EU damit beträchtlichen Risiken aus, besonders falls Putin tatsächlich die Kontrolle über die russische Wirtschaft verlieren sollte und der Osten wieder in Chaos versinkt > ‚L’Allemagne paiera‘.

Beim Euro hat das in den letzten Monaten einen Kurssturz gegenüber dem US Dollar ausgelöst, da Investoren die EU wieder als finanzielle Risikozone betrachten. Gegenüber dem Kiwidollar hält sich der Euro relativ konstant nahe seinen historischen Tiefstständen. Immerhin ist er bisher nicht langfristig unter die magische Grenze von 1,52 NZD für einen Euro gefallen [Anm. vom 08.01.2015: in den letzten Tagen ist der Euro gegenüber dem Kiwidollar auf  ein Allzeittief von knapp über 1,50 NZD abgesackt – so schnellebig können die Märkte heute sein].

Für Deutsche, die nur einige Wochen in Neuseeland verbringen möchten und keine großen Anschaffungen planen, ist es wahrscheinlich egal was die Wechselkurse tun. Wer sich eine Neuseelandfahrt leistet, wird auch einen weiteren Kursverfall des Euro verkraften können. Für diese Gruppe gilt weiterhin das Abheben in Neuseeland am Geldautomaten oder einfach die Nutzung von Kreditkarten als beste Option, um in Neuseeland zu akzeptablem Wechselkurs Rechnungen zu begleichen. Übrigens: in NZD bezahlen bzw. abheben – die Option der vorherigen Umrechnung in Euro ist fast immer mit Gebühren und einem ungünstigen Wechselkurs verbunden, d.h. Abzocke.

Geld ohne Banken überweisen

Wer größere Summen zwischen Deutschland und Neuseeland bewegen will, weil er einen längeren Aufenthalt plant, auswandert oder zum Beispiel in ein Haus in Neuseeland investieren möchte, den muss ein eventueller weiterer Euroverfall nachdenklicher stimmen.

Bis vor wenigen Jahren führte bei größeren Überweisungen nichts am harten Gang zur Bank vorbei, wohl wissend, dass man unverschämt hohe Bearbeitungsgebühren entrichten würde und einen grausamen Wechselkurs geboten bekäme. Alternativlos. Diese Zeiten sind vorbei, seit es spezialisierte Forex (= foreign exchange) Firmen gibt, die nicht nur wesentlich bessere Konditionen und Services bei Überweisungen bieten, sondern mittlerweile auch „Forward Contracts“, siehe unten, mit denen man sich heute einen Wechselkurs für morgen sichern kann.

Über Forex-Dienstleister habe ich vor einiger Zeit ganz allgemein berichtet und dieser Artikel gehört zu den meistgelesenen auf NZ2Go. Inzwischen kann ich neben dem Recherchematerial zu dem alten Artikel auch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Ich habe den Anbieter NZForex selbst genutzt — und es ging alles glatt. Gegenüber Banküberweisungen sehe ich folgende Vorteile, neben dem gesparten Geld:

  • Der Wechselkurs wurde ausgehandelt und festgelegt sobald die Transaktion vereinbart wurde; bei Banken galt oft der Wechselkurs der empfangenden Bank zum Empfangszeitpunkt und dieser Empfangszeitpunkt war nicht garantiert und somit auch nicht der Kurs (‚… bis zu 10 Werktage …‘).
  • Alles ging online, ich wurde angerufen, um die Transaktion zu verifizieren und das NZForex Referenzkonto auf das ich überwies befand sich in Europa. Der Status der Transaktion war abrufbar, wie zum Beispiel bei einer Paketversendung. Bei einer deutschen Bank ist sowas meines Wissens undenkbar.

Nachteile gab es keine. Außer dem institutionellen, dass man mit einer Entität zu tun hat, also z.B. NZForex, die man nicht so kennt wie die eigene Bank und die sich in einem anderen regulatorischen Rahmen bewegt.

Forward Exchange Kontrakte: Wechselkurse heute für morgen festlegen

Oben haben wir über Volatilität der Wechselkurse gesprochen. Jeder hat schon einmal von „Hedging“ gehört. Die Lufthansa deckt zum Beispiel einen Teil ihres Kerosinbedarfs auf den Futures-Märkten für einen zukünftigen Zeitpunkt, aber zu einem heute festgelegten Preis. Damit macht die Lufthansa ihre Treibstoffrechnung planbarer.

Ein ähnliches Instrument gibt es auch bei NZForex, eben Foreign Exchange Contracts (FECs): man kann heute den Wechselkurs für die spätere Überweisung eines gewissen Betrags, sagen wir 10.000 EUR, nach Neuseeland festlegen. Die Überweisung muss zu einem fixen Zeitpunkt innerhalb von 12 Monaten stattfinden und sie muss auch tatsächlich ausgeführt werden, wenn es soweit ist: man kann den Kontrakt nicht verkaufen, wie bei Futures. Und man muss eine Anzahlung von bis zu 10% der Überweisungssumme (in unserem Beispiel bis zu 1.000 EUR) hinterlegen. Ändert sich der Wechselkurs zwischen dem Zeichnen des FEC und der Ausführung der Überweisung zu stark zu euren Ungunsten, kann es zu „Margin Calls“ kommen, und NZForex bittet um einen oder mehrere Nachschläge zur Anzahlung.

Warum macht NZForex sowas? Die nehmen offenbar an, dass sie die Entwicklung der Kurse besser beurteilen können als ihr :-) oder realistischer, erstens wird es gewisse Symmetrien geben (ungefähr gleiche viele Remittenten in beide Richtungen), und zweitens sichert sich die Firma ihrerseits durch andere Finanzinstrumente ab … und außerdem runden Forward Contracts das Leistungsangebot in zeitgemäßer Weise ab. Warum sollten nur Großunternehmer und -anleger solche Instrumente nutzen können?

Ich werde hier sicher niemandem Ratschläge erteilen, ob sowas genutzt werden sollte. Das ist eine sehr individuelle Entscheidung. Ich selbst würde mir einen FEC tatsächlich nur dann überlegen, wenn ich wirklich große Transaktionen zu tätigen hätte und mir relativ sicher wäre, wie sich die Kurse bewegen. Eine Binsenweisheit, ich weiß …

Aber dass es die prinzipielle Möglichkeit gibt einigermaßen gegen Kursveränderungen zu „hedgen“, das wollte ich nicht ungesagt lassen.

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Übrigens fällt auch bei NZ2Go auf, dass sich die Situation in Europa anscheinend gerade wieder verdüstert. Unsere Hit-Strings im Bereich Immobilienkauf in Neuseeland bewegen sich wieder, nach zwei Jahren relativer Stille.

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