FactSheet: Öffentliche Verkehrsmittel in und um Auckland

Zugegeben, kein Thema mit viel Sexappeal, und es bedurfte erst dieser coolen Animation der öffentlichen Verkehrsmittel in Auckland, um mich aus der Starre zu lösen, und das Thema anzugehen: http://bit.ly/gLpCIn.

Britomart

Aucklands öffentlicher Verkehr ist – wie es sich für eine ordentliche Großstadt gehört – multimodal: Busse, Bahnen und Fähren ergänzen sich gegenseitig (Straßenbahnen gab es mal, aber die wurden in den 1950er Jahren leider still gelegt). Der Knotenpunkt ist das „Britomart Transport Centre“ um das man als Besucher kaum herum kommt. Busse vom Flughafen enden in Britomart (Züge, die den Flughafen anbinden gibt es leider noch nicht). Komischer Name, „Britomart“. Zuerst dachte ich, dass es eine Verbindung von „Brit(ish)“ und der Kurzform „Mart“ für „Market“ darstelle, also auf einen längst erloschenen Marktplatz hindeutet, wo früher einmal die Briten Handel trieben. Nette Idee, aber weit gefehlt, der Name steht, siehe Wikipedia, für eine griechische Göttin, und ist einfach nur ein Name, ohne tieferen Sinn.

Ok, die derzeitige Form von Britomart ist die eines Kopfbahnhofes (unterirdisch) mit einem Busbahnhof oben drüber, und dem Fährhafen gegenüber. Sehr praktisch. Es ist ironisch, dass Britomart vor und während des Baus, bis kurz nach der Eröffnung 2003 als größenwahnsinniges Prestigeprojekt durchgeknallter Kommunalpolitiker und ihrer Stadtplaner angefeindet wurde, das zu viel Kapazität habe und nie voll genutzt werden würde. Stuttgart 21 lässt grüßen. Heute wird der gut durchdachte und solide umgesetzte Britomart generell als einer der Glanzpunkte der Stadt betrachtet, und die Beschwerden gehen heute in die andere Richtung, denn es ist abzusehen, dass Britomart als Kopfbahnhof bald seine volle Kapazität erreicht haben wird. Die Umwandlung in einen Durchfahrtsbahnhof ist in Diskussion/Planung, und dieses Mal wird eine Protestwelle gegen eine Infrastrukturverbesserung wohl geringer ausfallen als 2003.

Britomart ist übrigens nicht nur der Zentralknoten für öffentlichen Nahverkehr in Auckland, sondern auch Ausgangspunkt für den Quer-durch-die-Nordinsel Overlander Fernzug, www.tranzscenic.co.nz.

MAXX

Zum Praktischen. Im Grunde genommen enthält die Webseite von MAXX Auckland Regional Transport, www.maxx.co.nz alles was man im Zusammenhang mit Nahverkehr im Raum Auckland wissen muss, bis hin zu einem umfassenden Routenplaner („Journey Planner“). Leider ist die Seite manchmal ein wenig „buggy“ und dann leicht nervig zu bedienen, weil man sich um die Fehler herum mogeln muss. Hoffentlich kriegt MAXX das bald besser hin. Jedenfalls kann man auf der Webseite, zum Beispiel, alle Broschüren anschauen oder ausdrucken, die auch im Bahnhof ausliegen – wenn man sich super-vorbereitet ins Abenteuer stürzen möchte …

Bahnen

Das Bahnnetzwerk gliedert sich, wie in allen anderen urbanen Netzwerken, die ich kenne, von München bis Tokio, in ein paar intuitive fassbare Linien mit entsprechender Farbkodierung: Western Line nach Waitakere/Helensville,  Southern Line, und Eastern Line, die beide – auf verschiedenen Wegen – nach Papakura/Pukekohe führen. Die Onehunga Line zweigt seit Ende 2010 in Penrose von der Southern Line ab. Man bemerke die Abwesenheit einer Northern Line: es gibt keine Personenzüge nördlich der Auckland Bridge. Auch das soll sich aber irgendwann mal ändern. Die Brücke ist im übrigen ein schönes Beispiel (im Gegensatz zu Britomart) eines Verkehrsprojekts, das aufgrund der Knausrigkeit der damaligen Politiker ziemlich daneben gegangen ist: ursprünglich geplantes Brückenareal für Züge, Fahrräder und Fußgänger wurde aus Kostengründen gestrichen und eine reine Autobrücke gebaut. Heute leidet die gesamte Aucklander Verkehrsinfrastruktur unter den Fehlentscheidungen der letzten Jahrzehnte.

Das folgende Bild findet man public domain im Wikipedia Artikel „Public transport in Auckland“, leider fehlt die Onehunga Line:

Busse

Neben den Zügen gibt es noch ein ausgedehntes Netz an Bussen, die auch unter dem MAXX Label betrieben werden. Die MAXX Webseite hält sämtliche Details vor, wiederum inklusive Routenplanung. Die Busse selbst, jedenfalls diejenigen, die ich benutzt habe, sind sauber und modern, oft vom Typ MAN oder Scania, und oft mit Klimaanlage ausgestattet. Man betritt den Bus durch die vordere Tür und zahlt entweder direkt beim Fahrer für eine Einfachfahrt, oder nutzt eine der vielen Mehrfachfahrkarten (10er-Tickets, Monatskarten), oder Smartcards, die man mit einem Guthaben aufladen kann, das dann nach und nach verfahren wird. Die „Snapper Card“ lässt sich übrigens auch für Busse in Wellington nutzen – ein sinnvolles Konzept für Leute, die ungern mit Kleingeld hantieren. Manko: beim Aussteigen muss man die Karte ein zweites Mal ans Lesegerät halten, damit der korrekte Fahrpreis abgebucht wird. Für Kurzzeitbesucher Aucklands am interessantesten dürfte der „Discovery Pass“ für einen Tag, oder die Variante für einen Monat, der „Discovery Monthly Pass“ sein. Nicht ganz unwichtiges Kulturmerkmal: beim Verlassen des Busses durch die vordere Tür ist es üblich, sich beim Busfahrer zu bedanken, ein kurzes „Thanks, mate“ reicht. In Australien verhält es sich übrigens genauso.

Airport Express und 380 Airporter

Auch hier gilt, dass die MAXX Webseite eigentlich alles sagt, was zu sagen ist: www.maxx.co.nz/info/how-to-travel/take-the-bus/airport-services.html. Um es kurz zu machen, der Flughafenbus fährt alle 15 bis 30 Minuten, ohne Unterbrechungen nachts oder an Feiertagen zwischen Britomart und dem Flughafen hin und her: www.maxx.co.nz/info/how-to-travel/take-the-bus/airport-services.html, d.h. viel einfacher geht es nicht. Wie bei Flughafenbussen üblich, gibt es Abstellraum für Koffer.

Fähren

Mit einer Handvoll Fährlinien ist der Fährverkehr in Auckland sehr überschaubar. Die Hauptdestination sind vom Fährterminal gegenüber Britomart, die Anlegestellen im North Shore (also nördlich der Hafenbrücke, wo es keinen Bahnnahverkehr gibt) in Devonport, Baywaters, Birkenhead/Northcote Point, und Stanley Bay und in den östlichen Vororten, die durch die Anlegestellen Half Moon Bay und Pine Harbour angebunden sind. Auch die Fähren sind modern, komfortabel und sauber.

Das folgende Bild findet man GNU Free Documentation License im Wikipedia Artikel „Public transport in Auckland“:

Von den Inseln im Hauraki Golf (dem Seegebiet auf der östlichen Seite von Auckland) werden vor allem Waiheke Island und Rangitoto Island regelmäßig von Fähren bedient. Viele andere Inseln, wie Tiritiri Matangi, Great Barrier Island usw. werden nur gelegentlich angefahren, vor allem an Wochenenden für (auch lokale) Touristen. Die wichtigsten Fährbetreiber sind Fullers (www.fullers.co.nz: Great Barrier Island, Waiheke Island, Rangitoto Island, Motutapu Island) und „360 Discovery“ (www.360discovery.co.nz: Tiritiri Matangi Island, Motuihe Island). Letztere fährt auch die Coromandel Halbinsel östlich von Auckland an, und bietet zudem Hafenrundfahrten zum Nulltarif (https://secure.jbs.com.au/360/bookings.aspx -> Ports of Auckland) an.

Wasser Taxis und Mietyachten

Nicht ganz billig, aber interessant, wenn man eine ganz bestimmte Insel oder Bucht anfahren möchte, die nicht von Fähren angelaufen werden, sind Wassertaxis, also kleine Motorboote/yachten, die analog wie Straßentaxis operieren. Betreiber sind zum Beispiel www.reubens.co.nz (die auch Fähren auf die weniger populären Rakino Island und Kawau Island, letztere nördlich von Auckland gelegen, unterhalten), und Marine Services Auckland (E-Mail nick@msal.co.nz). Noch etwas exotischer wird es beim Thema Mietyachten, also mehr oder weniger luxuriösen Yachten, die man mitsamt der Besatzung für ein paar Stunden mieten kann, um im Hafen von Auckland herum zu schippern, oder gleich wochenweise für eine private Kreuzfahrt in die tropische Inselwelt nördlich von Neuseeland, oder gar an die Ostküste von Australien. Anbieter sind, neben vielen anderen: www.deckedoutyachting.co.nz, und www.pacificcharters.co.nz. Das ist allerdings ein Thema, das nicht mit ein paar Sätzen abgetan werden kann, und ich zu gegebener Zeit in einem gesonderten Artikel vorstellen werde.

Fahrräder

Auckland verfügt über ein ausgedehntes Netz an Fahrradwegen, die man sich auf Karten anschauen kann, z.B. die „Southern Cycle Map“ entweder als PDF bei (www.maxx.co.nz/info/how-to-travel/cycling.aspx) oder als Papierkarte im Britomart Bahnhof (siehe oben). Auf der MAXX-Webseite findet sich auch ein Fahrradroutenplaner. Außerdem steht dort, ob man sein Fahrrad auf Busse (Nein), Bahnen (Ja, aber nur mit Zuzahlung) und Fähren (im allgemeinen, Ja) mitnehmen darf. Es gilt Helmpflicht! www.caa.org.nz ist die Webseite der Fahrradlobbygruppe „Cycle Action Auckland“ (Fahrräder werden übrigens in Neuseeland nicht nur „cycle“ oder „bicycle“ genannt, sondern manchmal auch „push bike“) mit vielen interessanten Informationen. Falls ihr eine Fahrradpanne habt (und mobiles Internet) kann euch eventuell die Seite www.bianz.org.nz (-> Specialist Bicycle Retailers) mit ihrer Liste aller Fahrradgeschäfte weiter helfen. Der Fahrradverein „Auckland Cycle Touring Association“ ist unter www.acta.org.nz zu finden. Fahrräder mieten kann man zum Beispiel bei: www.bikecentral.co.nz/hire.php, www.cycleauckland.co.nz oder andere Vermieter bei  www.tourism.net.nz/transport/rental-cycles/ suchen.

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Eine Antwort auf FactSheet: Öffentliche Verkehrsmittel in und um Auckland

  1. Andre sagt:

    Moin,
    habt ihr vllt eine Ahnung wo ich ein einigermassen gutes Fahrrad kaufen kann.Aber nicht für tausende von NZL Dollars.

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