SideTrack: Unterbezahlte Drecksarbeit gefällig?

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Seit Beginn der Großen Krise hat man sich an Einiges gewöhnt. Inkompetente Banken durch Steuergelder am Leben erhalten? Versteht sich. Gelddrucken um nur ja nichts ändern zu müssen (bis es zu spät ist)? Auf alle Fälle. Kriminelle Machenschaften von Großbanken nicht bestrafen, sondern einen läppischen ‚Vergleich‘ im Umfang von ein paar läppischen Milliarden mit den Investment-Fachkräften eingehen? Alternativlos!

Und doch gibt es noch Meldungen, die erstaunen. So geschehen in Christchurch, wo notleidende Unternehmen wie McDonalds mit dem Mangel an ausbeutbarer Billigarbeitskraft kaum fertig werden: „Desperate need for unskilled workers„. Wenn das so weiter geht, können dann die Frauen der McDonalds Execs womöglich ihre Kleinen nicht mehr per Cayenne in den ganzheitlichen Waldorf Kindergarten bringen? Und wie sieht es mit dem Vierturlaub pro Jahr aus? Aber eventuell können ja McDonalds & Co. by John Key intervenieren und entweder eine Senkung des Mindestlohnes veranlassen, oder gar – wie im Artikel von TVNZ angeregt – ungelernte Migranten ins Land holen, die dann die kulturelle Diversität erhöhen, und nebenbei für genau die Löhne und unter den Bedingungen schuften, die das McDonalds Management für korrekt hält.

Nicht machbar ist es – wie in einer Marktwirtschaft vormals üblich (‚Markt‘, man erinnert sich, das war das System vor Obama, Merkel etc. und ihren Wohlfahrtssystemen für Banken und Großkonzerne) – einfach die Löhne soweit zu erhöhen, dass die vielen  neuseeländischen Arbeitslosen einen Sinn darin sehen Bouletten zu braten, statt auf die Überweisung von Work and Income zu warten.

Interessant übrigens auch der Hinweis auf die Schwierigkeiten, die Leute, die nach Christchurch ziehen, damit haben erschwingliche Unterkünfte zu finden. Diese Probleme würden selbstredend verschwinden, wenn Migranten rekrutiert würden. Warum? Weil – kenne selbst Fälle – dann zwei Familien in eine Zweizimmerwohnung ziehen, und halt ein wenig wie zu Hause leben um die Miete bezahlen zu können. McDonalds freut es.

Aber damit es nicht zu viel zu lachen gibt, in diesem Intermezzo, hier noch etwas zu den Folgen der hiesigen Hungerlohnpolitik für das Kindeswohl: „One in five NZ children relying on benefit„. Gar nicht lustig. Und sicher auch nicht eines Landes würdig, das sich in der Ersten Welt verortet, und auch sonst gerne mit Spendierhosen durch die Welt schreitet, incl. fernab des pazifischen Raums (wo eine solche Politik nachvollziehbaren Nutzen bringen könnte) aber zu Hause offenbar weite Teile der Bevölkerung vernachlässigt.

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Ich bin jedenfalls entsetzt. Nicht so sehr über die Chutzpe der Christchurcher Unternehmergilde, sondern eher darüber, dass ein Artikel wie der hier kommentierte mehr oder weniger als ‚normal‘ durchgeht und keine sichtbaren Wellen schlägt. Wie verwahrlost muss eine Gesellschaft sein, der nicht einmal mehr die größten Schweinereien als solche wahrnimmt? Hmmm …

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