Opinion: Goodbye New Zealand?

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Aus gegebenem Anlass, nämlich den Gedankenspielen befreundeter Neuseelanddeutscher ins gelobte Land der Dichter und Denker zurückzukehren.

Regelmäßige Leser dieses Blogs vermuten wahrscheinlich, dass ich mich für die Idee erwärmen kann. Denn mit der rosa Brille der vielen anderen deutschsprachigen Neuseelandseiten und -blogs, die fast immer etwas verkaufen möchten und deswegen über Kiwiland das Blaue vom Himmel herunterschwärmen, wird hier nicht hantiert.

Trotzdem muss die Betrachtung anno 2014 sehr viel differenzierter ausfallen. Nicht so sehr wegen des derzeitigen Fast-Wirtschaftsbooms in Neuseeland – der ist transient und kann so schnell wieder verschwinden wie er auftauchte. Sondern wegen der Zustände, die sich gerade im Noch-Boomland Deutschland entfalten.

Migranten, auch deutsche, neigen dazu nach langer Abwesenheit ihre Heimat zu idealisieren. War es nicht schön bei Zentralheizung den Schneeflocken zuzusehen, Glühwein am Weihnachtsmarkt zu schlürfen und mal eben fürs verlängerte Wochenende in die Toskana zu fahren? Das hat man in der neuseeländischen Bretterbude nicht. Und von wegen Kulturgenuss …

In den letzten Jahrzehnten wurde im Ausland wahrscheinlich weniger über Deutschland gesprochen und geschrieben als in den letzten Jahren der verschiedenen Banken-, Schulden- und Währungskrisen. War Deutschland Mitte der Nuller noch der kranke Mann Europas, während Wirtschaftswunderländer wie Spanien und Großbritannien gefeiert wurden, gab es plötzlich Analysen der Tugenden der schwäbischen Hausfrau zu bestaunen. Plus – ein wenig widersprüchlich – aus allen Rohren, den USA, der EU, der OECD, dem IMF usw. der ständigen Forderung doch Mal die Hausfrau wegzupacken und ein paar Jährchen hemmungslos Geld zu drucken um Friede, Freude und Eierkuchen in der Welt zu retten.

Man kam sich wichtig vor in Deutschland, mit all der Aufmerksamkeit.

Aber was ist real daraus geworden und ist Deutschland eine echte Alternative zum manchmal uninspirierenden Leben in Neuseeland?

Eine Zurückwanderung erfolgt meistens nicht aus Heimweh, sondern auf Grundlage ökonomischer Kalkulation. Wird es mir in Deutschland nicht doch besser gehen als in Neuseeland mit seiner oft traurigen Einfachheit und seinem Mangel an wirklich spannenden, modernen Arbeitsplätzen?

Schaun mer mal …

Deutschland: der doofe Mann Europas

Deutschland hatte in den letzten Jahren die Jahrhundertchance die Geschicke Europas zum Positiven zu wenden vertan. Besser gesagt, es wurde gar nicht versucht sie zu nutzen.

Alle halbherzigen deutschen Vorschläge zu irgendwelchen Reformen wirtschaftlicher oder politischer Art in Europa sind im allgemeinen Gelächter mehr oder weniger untergegangen. Fiskalpakt? Erinnert sich noch jemand? Die Maastricht-Verträge sind sowieso Geschichte. Vertragstreue und rechtsstaatliche Berechenbarkeit innerhalb der EU damit auch ad acta gelegt.

Deutschland war – in der Weltgeschichte wohl einmalig – nicht in der Lage irgendwelche Gegenleistungen zu verhandeln für die astronomischen Beträge, die es als Kredite und Bürgschaften in die Waagschale geworfen hatte. Dem Großteil der deutschen Bevölkerung ist das noch egal, denn sie fantasiert, dass der finanzielle Schaden auf wundersame Weise anderswo hängen bleibt.

Ich wage zu behaupten, dass das deutsche Unvermögen aber am schlimmsten diejenigen in Italien, Spanien, Frankreich etc. betrogen hat, die nicht über vetternwirtschaftliche Beziehungen verfügen, um sich einen von Deutschland garantierten Beamtenposten zu sichern. Die gebissenen der Korruptionssysteme hatten gehofft, Deutschland werde ein wenig mehr Gerechtigkeit in Europa etablieren. 100% reine Fehlanzeige.

Deutschland: Misswirtschaft Made in DDR

Warum das so kam? Man nehme eine ehemalige FdJ-Funktionären (‚… ich war in der DDR keine Heldin …‘) aus der tiefsten Provinz, schicke sie zum wurstfingrigen Helmut Kohl in die Lehre und setze sie sodann an den großen Tisch europäischer Politik. Ginge fast noch, denn die Funktionärin ist doch sicher von fähigen Beratern, Bürokraten und Co-Politikern umgeben?

Wer sind eigentlich Merkels Berater? Kennt jemand ein paar? Bürokraten: wer Deutschland kennt, weiß was zu erwarten ist. Co-Politiker: Merz, Koch usw. einen nach dem anderen politisch liquidiert. Übrig ist ein Heer einfach gestrickter Ja-Sager, die im entscheidenden Moment keine Ahnung haben, worum es geht.

Mit Angela Merkel ist die völlig falsche Person, zur völlig falschen Zeit am völlig falschen Ort. Die Umwälzungen, die im Moment in Europa von statten gehen, bedürfen einer an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Gemeinwohl ausgerichteten Persönlichkeit. Und keiner für die Demokratie ein lästiges Wettlügen alle vier Jahre bedeutet, für die Absprachen in Brüsseler Hinterzimmern wichtiger sind als Gesetze und Verträge, die die Meinungen anderer als ’nicht hilfreich‘, die eigenen aber als ‚alternativlos‘ empfindet, und aufgrund mangelnder eigener Erfahrung nicht weiß was das gemeine, arbeitende Volk fühlt und will.

Deutschland: Willige Medien als Brandbeschleuniger

Mag sein, dass Merkel eine historische Fehlbesetzung ist. Aber der schlaue deutsche Wähler wird es merken und … blablabla … er hat es nicht gemerkt. Bald zehn Jahre bleierne Rückwärtsgewandtheit und klobige Sprücheklopferei und sie merken es nicht.

Und wer will Max Mustermann in der deutschen Gasse auch wirklich tadeln? Die ganze Europaretterei wurde bewusst so hyperkomplex angelegt, dass nur noch ganz wenige in der Lage sind zu erahnen was sich hinter all den Mechanismen und Institutionen verbirgt. Im Gegenteil, die konstruierte Intransparenz der Situation macht Angst. Angst in der es das gewohnte Gesicht von Mutti Merkel erlaubt Sehnsüchte nach Stabilität und Sicherheit zu projizieren. Die Menschen hängen im Irrglauben, dass für sie schon gesorgt würde, von Mutter Staat, am Rockzipfel dieser Frau.

Sekundiert wird die Funktionärin in hemdsärmliger Weise von den sogenannten öffentlich-rechtlichen Medien. Merkels derzeitiger Pressesprecher war früher ZDF Nachrichtensprecher und hat für die Zeit nach Merkel einen Job beim ZDF garantiert. Merkels früherer Pressesprecher arbeitet heute als Indendant des Bayerischen Rundfunks. So sieht in Deutschland die politische Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien aus. Man probiere es selbst aus: im Abendprogramm der deutschen Fernsehsender läuft ständig mindestens ein Beitrag zu den Themen, die den gemeinen Bürger von seiner eigenen Nichtigkeit und der Weisheit der Eliten überzeugen soll: Hitlerzeit, Migranten- und Flüchtlingsfolklore, skandinavische Polit-Korrekt-Krimis, und verwandte Themen mit moralischem Unterwerfungsanspruch.

Deutschland befindet sich in einem Zustand fortschreitenden Realitätsschwundes. Wie in der DDR wird die Wirklichkeit zu gunsten einer kruden Ideologie ausgeblendet. Jeder tut so als glaube er die Staatsdogmatik, weil alle anderen es auch tun. Bis es eines Tages vorbei ist und es dann mal wieder keiner gewesen sein will.

Deutschland: Gebrochene Identität trifft Globalisierung

Neulich im Focus musste ich mich schon sehr wundern. Da durfte irgendein Akademiker schreiben, dass das deutsche Nationalbewusstsein gebrochen sei und deswegen kein Integrationssubstrat mehr für Migranten darstelle. Wer will schon Teil einer nicht-Nation, oder nicht-Kultur sein?

Darf der das? Anscheinend nicht, denn ich kann den Artikel auch nach intensiver Suche auf der Focus Online Webseite nicht mehr finden.

Ganz im Ernst: ‚deutsche Kultur‘, ‚deutsche Nation‘ – sowas sagt man in Deutschland heute nicht mehr. Kommt peinlich an. Würde mich jedenfalls interessieren, was der gemeine Deutsche heutzutage auf die Frage antworten würde, was ‚deutsche Kultur‘ eigentlich sei. Wahrscheinlich irgendwas mit Grundgesetz. Und dann schnell das Thema wechseln.

Fakt ist, dass in Deutschland schon heute die Deutschen und ihre vorgebliche Kultur zur thematischen Minderheit geworden sind. Die gesellschaftliche Debatte zentriert sich sehr viel intensiver um die Interessen von Migranten und Randgruppen aller Art, je fremdartiger und exotischer, desto besser. Man feiert eine neue Willkommenskultur sowie die Abschaffung der eigenen. Im Grunde wird so eine Reise nach Deutschland heute zu  etwas wie einem Besuch im Museum. Das Gefühl kultureller Dynamik existiert nicht mehr. Es ist ersetzt worden von einem äffischen Anpassen an eine eingebildete globale Trivialleitkultur.

Ein Land, das im Zeitalter massiver globaler Menschenströme sein Selbstbewusstsein abgelegt hat, hat meiner Meinung keine Aussicht zu bestehen.

Deutschland: Die Folgen der Abwicklung

Die Symptome des Verfalls sind allenthalben zu bestaunen. Ich ziehe ein paar Brownsche Kreise.

Doppelte Staatsangehörigkeit: ein Reizthema unter deutschen Ex-Pats; hatte die durch SPD und Grüne geplante Massenvergabe einer deutschen Zweitstaatsangehörigkeit an Migranten in Deutschland 1999 in Deutschland noch einen politischen Sturm entfacht, so wird die Neuauflage der SPD-Wählerschichtsverbreiterung heute ignoriert. Ist halt jeder, der gerade da ist ein Deutscher, und die Deutschen z.B in Neuseeland will man umso schneller los haben. Ist ja egal.

Europäisches Hartz-IV-Grundgehalt: Deutschland zeigt hier mal wieder, dass es zur europäischen Provinz geworden ist. Jeder ist willkommen und darf sofort aus dem vollen Sozialetat schöpfen.

Verkommene Infrastruktur: Für den Deutschen reicht das Nötigste und oft nicht einmal das. Irgendwie ist vieles in Deutschland hässlich. Kaputte Straßen, kaputte Autobahnen, kaputte Brücken, dauernd Stau. Wenn man durch die ‚Krisenländer‘ wie Spanien oder Frankreich fährt, dagegen kunstvolle Plastiken in jedem zweiten Straßenkreisel.

Unfähigkeit / Unwille zu Großem: Elbphilharmonie, Flughafen BER – Denkmäler der Inkompetenz. Reden wir nicht mehr vom Transrapid. Den hat Deutschland auf Betreiben der Grünen nach China verschenkt. Ansonsten fressen noch irgendwelche Prestigebauten in Ostdeutschland die Restkapazitäten auf, das überflüssige Berliner Stadtschloß zum Beispiel. Ach Ja, und Stuttgart 21 nicht vergessen. Also gar nicht erst anfangen etwas zu bauen, weil zu teuer. Die paar hundert Milliarden für irgendwelche Griechenlandzahlungen sind allerdings niemandem in Deutschland zu teuer. Da wird konsequent die Klappe gehalten.

Geschärfte Feindbilder: Je größer die Inkompetenz daheim, desto stärker der Hass auf die Welt außerhalb des politisch korrekten Zwangskonsens. In Syrien macht man sich mit Terroristen gemein und schaut zu, wenn Neudeutsche mordend in den Dschihad ziehen. Hauptsache Herrn Assad ganz dolle gehasst. Dann Putin, oh je, Putin. Ein ganz Böser. Hat BP und Shell rausgeworfen, um russische Rohstoffe für Russland nutzbar zu machen. Eine üble Menschenrechtsverletzung. Und der arme Janukowitsch in der Ukraine. Hätte er doch nur den EU-Assoziierungsvertrag unterschrieben. Dann wäre er heute ein ganz Lieber. Aber sooo … jetzt muss man auch ihn hassen. Kindische Feindbilder zur Übertünchung eigener Unfähigkeit – kein Zeichen aufstrebender Systeme.

Ungehemmte Funktionärsselbstbedienung: Wird man heutzutage wegen eines Promotionsplagiats aus dem Kabinett geworfen, winkt danach der Posten des deutschen Botschafters im Vatikan. Bei einer anderen Partei, der sogenannten FDP, bleiben Abschreiber gleich ganz auf ihren Abgeordnetenmandaten im Europaparlament sitzen. Ist ja egal. Einer davon hetzt sogar noch gegen Deutschland, zweimal egal. Und das ist kaum die Spitze des Eisberg. Die wird, zum Beispiel, gebildet von den ‚Entwicklungshelfern‘ der GIZ, gutmenschlichen Prunkstücken, die den Rachen nicht voll bekommen. Oder den Abgeordneten des Bundestags, die fast alle reine Funktionärskarrieren hinter sich haben (50% Berufspolitiker, 20% Beamte, insgesamt nur 2 Arbeiter). Das System Merkel schafft mit erschreckender Skrupellosigkeit flächendeckend Selbstbedienungsmöglichkeiten für vermeintliche Stützen des Systems.

Erodierendes Leistungsprinzip: Wer heute 15 Jahre lang als Durchschnittsverdiener in die deutsche Rentenversicherung einzahlt, bekommt als Belohnung später einmal den Hartz-IV Satz als Rente bezahlt, also als ob er nie gearbeitet hätte. In anderen Worten, die Korrelation zwischen dem was Versicherte einzahlen und später einmal ausbezahlt bekommen wird realexistierend sozialistisch abgeschafft. ‚Mütterrente‘, ‚Lebensleistungsrente‘, ‚Solidarrente‘ usw. heißen die Umverteilungskampfbegriffe des Tages.

Steigende Steuerlast: Die Funktionärin hat Deutschland die höchsten Steuererhöhungen seiner Nachkriegsgeschichte geschenkt. Die Steuerquote steigt Jahr um Jahr und wenn die Funktionärin vor der Bundesstagswahl 2013 verspricht die Steuern nicht zu erhöhen, dann heißt das nur, dass die Quasi-Steuern also Sozialversicherungsbeiträge erhöht werden und etwas später vielleicht sowieso die Steuern dazu. In Deutschland arbeiten alle für den Staat. Und dem reichen auch 600 Mrd Euro pro Jahr an Rekordsteuereinnahmen nicht. Er macht weiter Schulden.

Mittelmäßige Bildung und Forschung: Wenn ein Deutscher heute noch einen Nobelpreis verliehen bekommt, dann stellt sich meistens heraus, dass er von Deutschland ausgebürgert wurde. Im Gegenzug produziert Deutschland gerade Mal mittelmäßigen Nachwuchs, wie das schlechte Abschneiden bei internationalen Bildungstests zeigt, wobei die offensichtlichen Gründe dafür mit Diskussionstabu belegt sind. Obwohl sich einige doch trauen, ihren Unmut zu artikulieren.

Usw.

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Deutschland ist im Moment ein besorgniserregender Ort. Nichts spricht dafür, dass etwas den Amoklauf seiner ‚Eliten‘ – hier greift echte historische Kontinuität – und seinen allmählichen Abstieg aufhalten wird. Vieles spricht dafür, dass man als Normalbürger immer mehr von einem System benutzt wird, das seinen Wurzeln in der DDR von Tag zu Tag stärker ähnelt.

Im Einzelfall mag es trotzdem gute Gründe für eine Rücksiedlung von Neuseeland nach Deutschland geben.

In vielen Bereichen, zum Beispiel High Tech, ist es einfach schwer in Neuseeland die Füße auf den Boden zu bekommen, weil Neuseeland für solche Tätigkeiten nur einen winzigen Markt bietet. Deutschland bleibt in dieser Hinsicht bis auf Weiteres ein besseres Pflaster.

Wer eine halbwegs gute, oder zumindest andere Universitätsausbildung zu geringen Kosten sucht, ist in Deutschland sicher auch besser bedient als in Neuseeland. Das gilt für eine betriebliche Ausbildung / Lehre, deren Äquivalent in Neuseeland längst abgeschafft worden ist, noch viel mehr.

Die öffentliche Gesundheitsversorgung in Deutschland ist in meiner Beobachtung trotz grässlicher Ineffizienzen immer noch leistungsfähiger als das neuseeländische Gegenstück – für den einen oder anderen vielleicht auch relevant.

Der Rest sollte sich gut überlegen, ob ein Land, das sich in einem kulturellen und sozialen Zersetzungsprozess befindet, der bald auch auf die Wirtschaft übergreifen dürfte, wirklich der Mühe Wert ist. Eine halbe oder sogar ganze Generation mag es noch gut gehen, denn es gibt viel Substanz, die man verfeuern kann, aber meinen Kindern würde ich Deutschland ohne baldige und sichtbare Erneuerungsprozesse nicht zumuten.


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