FactSheet: Zum Führerschein in Neuseeland

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Wie lange kann ich mit einem deutschen Führerschein in Neuseeland fahren, kann man einen deutschen Führerschein in einen neuseeländischen umtauschen und wie sieht es für Rückkehrer aus, die einen neuseeländischen Führerschein in Deutschland nutzen wollen?
Im Grunde ist es ganz einfach. Neuseeland (New Zealand Traffic Authority – NZTA) und Deutschland (Kraftfahrtbundesamt – kurz ‚Flensburg‘) haben Mitte 2011 Verträge abgeschlossen, die für normale Auto- und Motorradführerscheine die gegenseitige Anerkennung garantieren und zwar nicht nur für zeitweilige Besucher, sondern auch für dauerhaft ansäßige Migranten.

Deutsche Besucher in Neuseeland

Der deutsche Führerschein ist vom Zeitpunkt der Einreise nach Neuseeland ein Jahr lang gültig. Bei jeder weiteren Einreise fängt der volle Einjahreszeitraum wieder von vorne an. Eine sehr großzügige Regelung. Typisch Kiwi, eigentlich.
Allerdings müsst ihr eine Übersetzung des Führerscheins ins englische dabei haben. Die kann folgende Formen annehmen:

  • Ein internationaler Führerschein ist sicher die bekannteste Option. Nachteil ist die kurze Gültigkeit des Dokuments und die Gebühren, die bei jeder Ausstellung erhoben werden.
  • Eine explizite Übersetzung, die von einem von der NZTA zertifizierten Übersetzer (in Deutschland ist das meines Wissens nur LingoKing in München) angefertigt wurde: die kostet auch, ist aber unbegrenzt gültig.
  • Eine Übersetzung, die durch eine Botschaft oder ein Konsulat oder die ausstellende Behörde vorgenommen wurde, ist prinzipiell ok, wird aber im praktischen Leben von keiner deutschen Behörde angeboten.


Führerscheinübersetzung für Neuseeland

Deutsche Langzeitbesucher und Einwanderer nach Neuseeland

Wer länger als ein Jahr in Neuseeland bleibt, kann sich den deutschen Führerschein zum Beispiel der Klasse B von der NZTA in einen entsprechenden neuseeländischen Führerschein „Class 1“ umschreiben lassen. Zusätzliche praktische, theoretische oder Sehtests sind nicht notwendig.
Details zur Antragstellung als PDF findet Ihr hier: Einen Führerschein In Neuseeland beantragen

Beide Führerscheine zu behalten geht aus unerfindlichen Gründen leider nicht. Die NZTA zieht den deutschen Führerschein ein und schickt ihn nach Flensburg.
Allerdings, siehe unten, funktioniert der Trick auch umgekehrt. Wenn ihr irgendwann mehr oder weniger permanent nach Deutschland zurückkehrt, kann der neuseeländische Class 1 Führerschein wieder in einen deutschen Klasse B Führerschein umgewandelt werden.

Interessant für junge Leute: kann man seinen Führerschein in Neuseeland machen und dann in Deutschland umschreiben lassen?

Ja, theoretisch kann man das, sofern der neuseeländische Führerschein nicht „Learners“ oder „Restricted“, sondern vollwertig („Full“) ist. Voraussetzung ist, dass die Auswanderung bzw. der Daueraufenthalt in Neuseeland ‚ehrlich‘ war. Dazu muss er sich länger als 185 Tage hinziehen und in dieser Zeit kein ständiger Aufenthalt in Deutschland existiert haben, wobei Letzteres ziemlich schwer zu definieren ist. Ich vermute, dass eine formale Abmeldung beim deutschen Einwohnermeldeamt hilfreich ist.
Wenn man den neuseeländischen Führerschein weniger als 2 Jahre besitzt, dann wird ein deutscher Führerschein auf Probe erteilt, wobei die Zeit während der in Neuseeland mit neuseeländischer Fahrerlaubnis gefahren wurde, im allgemeinen auf die deutsche Probezeit angerechnet wird.
Den Führerschein in Neuseeland zu machen ist meistens viel billiger als in Deutschland. Eine Anmerkung ohne Hintergedanken.

Neuseeländische Besucher in Deutschland

Kann bis zu 185 Tage mit seiner „Class 1“ unbehelligt in Deutschland Auto fahren. Dieses halbe Jahr lässt sich zu einem Jahr verlängern, falls man dann auch wirklich vorhat Deutschland permanent zu verlassen. Wenn nicht, gilt das Prozedere spiegelbildlich wie bei deutschen Langzeitbesuchern in Neuseeland.

Neuseeländische Langzeitbesucher und Einwanderer nach Deutschland

Neuseeländer, die ihren ständigen Wohnsitz mehr als 185 Tage nach Deutschland verlegen und planen auf Dauer zu bleiben, können, siehe oben, ihren neuseeländischen Führerschein der „Class 1“ in einen deutschen Führerschein der Klasse B (plus AM und L; der Status von BE, C1, C1E ist im Moment anscheinend unklar) umschreiben lassen.

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Im Grunde sind die bilateralen Führerscheinregeln zwischen Neuseeland und Deutschland realitätstauglich.
Einzig das Verbot beide Führerscheine nebeneinander zu besitzen ist umständlich. Ich vermute es geht darum, dass Leute, die mit einem Fahrverbot oder einem Entzug der Fahrerlaubnis belegt worden sind, nicht die Möglichkeit haben sollen die zweite Karte zu zücken. Im digitalen Zeitalter ziemlich daneben. Eine gemeinsame Datenbank hätte es auch getan. *Kopf schüttel*
Wer mehr wissen will, zum Beispiel wie es sich mit Altersregeln und Motorradführerscheinen verhält, sei auf die folgenden Quellen verwiesen: Das Merkblatt Führerschein der deutschen Botschaft in Wellington und die analoge Information der neuseeländischen Botschaft in Berlin.

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