FactSheet: Als Rentner nach Neuseeland

Lesedauer: 6 Minuten

In den letzten Monaten häuft sich die Zahl der Anfragen, ob und wie deutsche Rentner sich in Neuseeland mehr oder weniger permanent niederlassen können. Dieser Artikel wendet sich also nicht an Urlauber in reiferem Alter, sondern Rentner, die eine engere Beziehung zu Neuseeland aufbauen wollen.

Anfangs dachte ich, dass das kein großes Problem sein könne, denn die Situation sieht nach „Win-Win“ aus: ordentlich versorgte deutsche Rentner, die sich dazu verpflichten weder das neuseeländische Sozialsystem noch die öffentliche Gesundheitsversorgung in Anspruch zu nehmen erfreuen sich am Abenteuer in fortgeschrittenem Alter auf ein neues Land zu entdecken, und bringen damit Geld nach Neuseeland, schaffen Arbeitsplätze usw. Ein no-brainer, möchte man meinen.

Ein paar Besuche auf den relevanten Webseiten und einige Anrufe bei den neuseeländischen Einwanderungsbehörden zeichnen letztlich ein anderes Bild.

Zwei Richtungen: Familienbande oder/und Investionen

Deutschen Rentnern stehen grundsätzlich zwei Visakategorien offen, entweder über die „Parent (Retirement) Category“, falls Kinder in Neuseeland leben, die entweder neuseeländische Staatsangehörige sind, oder über eine Daueraufenthaltsgenehmigung („(permanent) residency“) in Neuseeland verfügen. Oder, wenn das nicht der Fall ist, bleibt noch Geld um eine Eintrittskarte zu lösen, über die „Temporary Retirement Category“.

„Temporary Retirement Category“

In Kürze, um hier ein Chance zu haben muss man das 66ste Lebensjahr abgeschlossen haben, und die Portokasse für folgende Summen heranziehen:

  • 3200 NZD (2000 EUR) als Antragsgebühr für das Visum
  • 750.000 NZD (470.000 EUR) müssen über einen Zeitraum von 2 Jahren in Neuseeland investiert werden; danach kann man das Kapital aber natürlich wieder abziehen
  • 500.000 NZD (310.000 EUR) müssen als zusätzlicher Kapitalstock nachgewiesen werden, der grundsätzlich der Eigenvervorgung dient, also nicht inverstiert wird, und damit auch nicht Teil der 750.000 NZD ist
  • 60.000 NZD (38.000 EUR) müssen als jährliches Einkommen zur Verfügung stehen, entweder aus der halben Million abgeleitet, oder sonst wie (Renten, Pensionen, Investmenteinkommen, Mieteinkommen etc.)

Das ist happig. Und es hört damit auch nicht auf. Finanzzaubereien über Kreditaufnahme usw. wird unterbunden. D.h. obige Kapitalanforderungen können nicht auf irgendwelchen Konstrukten griechischer Art basieren; Kapital ansammeln gegen irgendwelche Gläubigerforderungen funktioniert nicht

  • Um Kriminelle aus dem Land fern zu halten (Kim Dotcom?) muss nachgewiesen werden, dass obige Summen legal erworben wurden, z.B durch Nachweis alter Steuerbescheide, Rentenbescheide usw.
  • Das Geld muss durch das reguläre Banksystem nach Neuseeland überwiesen werden. Ob regulierte nicht-Bank Überweisungen möglich sind, sollte man wegen der Geldersparnis trotzdem erfragen.
  • Die Investition muss bona fide sein, also nicht dem persönlichen Gebrauch dienen, zum Beispiel durch Erwerb selbstgenutzter Immobilien, Yachten usw. Die akzeptierten Investitionstypen bergen keine Überraschungen; Aktien von gelisteten neuseeländischen Firmen, Anteile von Fonds, Anleihen usw. – so ziemlich wie man es erwarten würde.

Außerdem muss für Ruhe an der Gesundheits– und Charakterfront gesorgt werden, durch Nachweis

  • einer ‚umfassenden‘ Reise- bzw. Krankenversicherung (Deckungssumme mindestens 500.000 NZD)
  • eines fleckenlosen polizeilichen Führungszeugnisses bzw. der Abwesenheit von relevanten Vorstrafen, Deportationen, terroristisschen Aktivitäten usw. alles relativ klar nachvollziehbar
  • eines Gesundheitsattestes durch einen von der neuseeländischen Botschaft nominierten ‚Amtsarzt‘, wobei hier wohl weniger rigoros vorgegangen wird als bei anderen Visakategorien, die Zugang zum öffentlich finanzierten neuseeländischen Gesundheitssystem haben, denn also „Temporary Retiree“ muss man sowieso schon eine private Krankenversicherung, siehe oben, abgeschlossen haben. Sinn und Zweck ist es im allgemeinen einer Schädigung des neuseeländischen Volkskörpers vorzubeugen, indem Personen mit ansteckenden Krankheiten oder einer hohen Wahrscheinlichkeit doch mal das staatliche Gesundheitssystem in Anspruch zu nehmen der Zutritt verweigert wird.

Insgesamt geht es um eine Menge Geld.

Was bekommt man dafür? Eine zweijährige Aufenthaltsgenehmigung mit einer unbegrenzten Anzahl von Ein- und Ausreisen innerhalb dieses Zeitraums. Im Grunde handelt es sich um ein extralanges Besuchervisum. Es ist grundsätzlich möglich nach Ablauf der zwei Jahre eine Verlängerung zu bekommen, falls alle obigen Voraussetzungen auch weiterhin Bestand haben.

Ist es das Wert?

Das muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Für die überwiegende Mehrheit der deutschen Rentner dürften die Anforderungen nicht zu stemmen sein. In der Tat, scheint das nicht nur für Deutsche zu gelten, sondern allgemein, denn seit diese Visumskategorie vor ein paar Jahren eingeführt wurde, sind laut Statistik ganze 16 Personen unter diesem Visum in Neuseeland eingereist, darunter kein einziger Deutscher. Ich denke hier muss wohl von der neuseeländischen Behörden nachgebessert werden.

„Parent Category“ und „Parent Retirement Category“

Es ist anzunehmen, dass deutsche Migranten im Rentenalter nicht aufs Geratewohl nach Neuseeland ‚auswandern‘ wollen, sondern schon vorher mit dem Land Kontakt hatten. Wenn dieser Kontakt in Neuseeland lebende Kinder beinhaltet, dann sehen die Formalitäten wesentlich unkomplizierter aus, und führen zu solideren Resultaten, sprich einer Daueraufenthaltsgenehmigung („(permanent) residency“), und nicht nur einem verlängerbaren Besucherstatus.

Von der Prozedur her gibt es ein Dreiklassensystem, von gut nach weniger gut geordnet:

  • Parent Retirement Category
  • Parent Category – Tier One
  • Parent Category – Tier Two

Parent Retirement Category: Eltern, die in Neuseeland investieren können und wollen, müssen finanzielle Verpflichtungen fast identisch zu den Erfordernissen der „Temporary Retirement Category“, siehe oben, eingehen. Einziger Unterschied ist, dass sich die Investitionssumme von 750.000 NZD über zwei Jahre auf 1.000.000 NZD über vier Jahre erhöht, und dass nicht nur ein läppisches Zweijahresbesuchervisum mit Verlängerungsmöglichkeit dabei herausspringt, sondern eine echte „residence“.

Parent Category, beide „Tier“: Hier läuft die Prozedur ähnlich wie bei Leuten, die über ihren Beruf nach Neuseeland einwandern wollen, beginnend mit einer „Expression of Interest“, die in einem Selektionspool landet und dann mehr oder weniger lang warten muss, bis sie eventuell an der Reihe ist. Laut Immigration New Zealand Webseite im Oktober 2012 ist die Warteschlange für Anträge unter der Parent Category derzeit für „Tier Two“ irgendwo zwischen 5 und 7 Jahren lang. Bei „Tier One“ Wartezeiten widerspricht sich die Webseite selbst, denn es heißt an einer Stelle sechs Monate und an einer anderen achtzehn Monate. Jedenfalls ist sie wesentlich geringer als bei „Tier Two“.

Der beiden „Tier“ unterscheiden sich wieder einmal beim lieben Geld. Für Tier One zahlt man schlicht mehr. Die Details wären für diese Übersicht zu langatmig, aber ganz kurz, Tier One Antragsteller müssen 500.000 NZD ins Land bringen, und ein Jahreseinkommen von 65.000 NZD oder 90.000 NZD kombiniert mit dem einladenden Kind nachweisen, und außerdem nachweisen, dass 27.203 NZD bzw. 39.890 NZD Jahreseinkommen zeitlich unbegrenzt zur Verfügung stehen werden. Bei Tier Two muss man kein Kapital ins Land bringen, und nur ein Jahreseinkommen von 33.675 NZD belegen können. Außerdem darf in diesem Fall kein Kind im Herkunftsland des Antragstellers leben.

Statistisch gesehen, sind in den letzen zehn Jahren jedes Jahr nur eine Handvoll deutsche Eltern über ‚Familienzusammenführung‘ in Neuseeland eingewandert, was darauf hindeutet, dass bei Deutschen die Auswanderung eine individuelle Entscheidung ist, und kein Clanprojekt. Das Bild sieht bei Chinesen und Indern selbstredend ganz anders aus.

***

Ich hoffe, dass diese kleine Übersicht interessierten Rentnern beim Einstieg ins Thema von Nutzen ist. Viel Glück mit dem Papierkram, und viel Spaß in Neuseeland, wenn es denn alles geklappt hat!

Und natürlich kann ich mir auch ein paar abschließende Kommentare nicht verkneifen.

Überweisen Sie Geld ins Ausland, zu Kursen die Ihre Bank Ihnen nicht bieten wird

Man stelle sich vor, Deutschland würde den Nachzug von Eltern ähnlich knallhart an nationalen finanziellen Interessen ausrichten. Den Aufschrei der Gutmenschen höre ich bis hier her. Und ich könnte ihn ausnahmsweise nachvollziehen. Wartezeiten von sieben Jahren bei alten Leuten? Da kann sich das Problem schnell von selbst erledigen. Und die Mega-Investitionen, die schnelleren Eintritt kaufen finde ich krass überproportioniert. Egal, das können die Kiwis offensichtlich regeln, wie es ihnen gefällt. Aber das Image der lockeren „nice guys“ am anderen Ende der Welt, an das sich deutsche Neuseelandromantiker gerne heften, sollte ‚man‘ bei dieser Gelegenheit vielleicht – mal wieder – hinterfragen.

Theoretisch ist es natürlich verständlich, und m.E. völlig richtig, dass Neuseeland seine Eigeninteressen vertritt. Nur ist es wirklich im Interesse Neuseeland gut situierten deutschen Rentnern – die sich gleichwohl keine Millioneninvestitionen leisten können – die Tür zu verschließen? Man könnte denken, dass eine eidesstattliche Erklärung ausreichen sollte das neuseeländische Sozialsystem unter keinen Umständen in Anspruch zu nehmen, gepaart mit hinreichender finanzieller Versorgung für das tägliche Leben, und dessen Eventualitäten, wie etwa Krankheit. Da könnte aber auch der „Catch“ liegen. Man kann bei uns im ‚Westen‘ wahrscheinlich nicht einfach per Unterschrift Menschen- oder Bürgerrechte ablegen … „unveräußerlich“, heißt es ja. Vielleicht kann Neuseeland also in diesem Zusammenhang gar nicht pragmatisch handeln, denn einem Kranken im Notfall die Behandlung zu verweigern, selbst mit dessen Einverständniserklärung, ist trotz globaler Vergeldung alles Lebensbereiche noch immer tabu. Schade, dass die Dinge scheinbar so kompliziert sind, und hoffentlich werden sie bei Zeiten entrümpelt.

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9 Antworten auf FactSheet: Als Rentner nach Neuseeland

  1. Harald Drexelius sagt:

    Moin Peter,
    Mein Wunsch in Neuseeland zu leben verfestigt sich stetig.
    Nun bin ich seit ein paar Tagen 55.
    Ich bin Dipl. Ing. im Bereich Bauwesens, habe mehrere Unternehmen gehabt und bin nicht ganz unvermögend.
    Wie stelle ich es am sinnvollsten an eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen? Und wie meine 15 Jahre jüngere Lebensgefährtin. Wir werden im Winter für einige Wochen nach Neuseeland kommen um auch mit Einwanderungsberatern zu sprechen. Kannst du hier jemanden empfehlen?
    Ich freu mich auf deine Antwort
    Bis dahin
    VG Harald

    • Peter sagt:

      Hi Harald

      Wenn Du unzufrieden bist mit dem Einwanderungsberater, kann ich Dir einen empfehlen. Aber rede erst Mal mit wem auch immer Du das Gespräch vereinbart hast.

      Mit 55 kommen für Dich wohl nur noch Investorkategorien in Frage. Das musst Du dann mit dem Berater durchrechnen. Oder aber Deine Frau (/Lebensgefährtin) wird Hauptantragstellerin und Du bist dann die Familienzusammenführung. Kommt drauf an, wieviele Punkte Deine Frau im üblichen Einwanderungsschema zusammenbekommt.

      Da stellen sich also viele Fragen und es ist gut, dass Ihr professionelle Beratung sucht. In Eurer komfortablen finanziellen Lage ist das angebracht.

      Wenn Ihr gegen Erwarten mit dem Berater kein Glück habt, meldet Euch aber.

      Ich wünsche Euch jedenfalls alles Gute – Leute die was von Bauen verstehen braucht Neuseeland händeringend!

      Gruß,
      Peter

  2. Christian sagt:

    Hallo, ich habe das Glück mit 50 bereits im Ruhestand zu sein. Nun leider ist das mit der Altersgrenze etwas schwer bei der Visum benatragung für Rentner. Aber Sie haben erwähnt: „Außer natürlich, Deine Familie ist sehr sehr wohlhabend. Dann kann man sich den Weg nach Neuseeland erkaufen, egal wie alt man ist :-)“

    Wie ist das denn zu verstehen?
    Sicherlich habe ich die Möglichkeit finanziell etwas zu stemmen ..

    • Peter sagt:

      Hi Christian

      Entschuldige die späte Antwort. Man kann auch als Investor einwandern, ist dann aber schnell bei Millionenbeträgen.

      Wäre das was für Dich?

      Gruß, Peter

  3. Melanie Roehl sagt:

    Hallo,

    wir haben die Idee unsere Rente/Pension in ca. 15 Jahren im Ausland zu verbringen; ergo: auswandern und Deutschland den Rücken kehren.
    Ich bereite gerne die Dinge frühzeitig vor und wenn ich mir die finanzielle Absicherung, die die Neuseeländer voraussetzen, anschaue, dann sollte diese Entscheidung wohl überlegt sein.

    Neuseeland haben uns als Ziel gesetzt.

    Unsere Konstellation ist nur etwas schwierig, weil mein Mann 10 Jahre älter ist.
    Wenn er also das Pensionsalter erreicht hat, fehlen mir noch 10 Arbeitsjahre.
    Unsere Kinder wären dann 17 und 15 Jahre alt.

    Für den Fall, dass sich meine Eltern (75 und 73) ebenfalls entschließen würden, auszuwandern, wie können wir in der Konstellation das Ziel – so preiswert wie möglich – erreichen?

    Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich im Voraus.

    Melanie Roehl

    • Peter sagt:

      Hi Melania

      Sorry für die späte Antwort.

      15 Jahre sind ein sehr langer Horizont. In dieser Zeit können und werden sich Regierungen und Gesetze ändern.

      Obwohl ich natürlich kein Einwanderungsberater bin, ist es aus öffentlich zugänglichen Quellen klar, dass schon heute Einwanderung als Rentner nach Neuseeland sehr sehr schwierig ist, wenn man in Neuseeland nicht schon nahe Angehörige vor Ort hat.

      Mein Gefühl – aber das ist natürlich keine Beratung – wäre, dass es sinnvoll wäre schon vor der Verrentung ein „resident visa“ in Neuseeland für mindestens ein Familienmitglied zu bekommen. Wenn Altergrenzen (momentan 55, glaube ich) schon einmal überschritten sind, wird es sehr viel schwieriger durch das reguläre Einwanderungsverfahren zu kommen.

      Außer natürlich, Deine Familie ist sehr sehr wohlhabend. Dann kann man sich den Weg nach Neuseeland erkaufen, egal wie alt man ist :-)

      Ich hoffe, dass Dir das weiterhilft. Ansonsten kannst Du natürlich auch mit einem zertifizierten Einwanderungsberater zu dem Thema sprechen.

      Gruß, Peter

  4. Peter sagt:

    Vielen Dank für den ausfürlichen Artikel. Ich habe eine kurze Nachfrage zur Tier one Kategorie. Ich habe den Inhalt der verlinkten Website so verstanden, dass man nur eine der folgenden Kriterien erfüllen muss. Es sich somit um „oder Kriterien“ und nicht um „und Kriterien“ handelt. Habe ich dort etwas falsch verstanden oder überlesen. Über eine kurze Rückmeldung würde ich mich freuen.

    Applicants under tier one must meet „ONE“ of the following criteria.

    Sponsor’s income
    Guaranteed lifetime minimum income
    Settlement funds.

    Viele Grüße

    Peter

    • Peter sagt:

      Hi Peter

      Sorry für die späte Beantwortung – war eine Zeit lang unterwegs. Wenn da steht „one of the following criteria“, dann ist das im allgemeinen Sprachgebrauch tatsächlich ein logisches „OR“, das sehe ich so wie Du.

      Übrigens, falls Du einen Antrag stellst und es klappt (oder auch nicht :-( ), melde Dich ruhig. Bin mir sicher andere würden gerne wissen, wie das Ganze bei Dir lief.

      Gruß,
      Peter

  5. Adam sagt:

    Schmitz als Besipiel für einen Kriminellen zu nennen ist schon fragwürdig. Immerhin werden ständich Anklagepunkte nivelliert.

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